„Sollen sie doch kommen.“ sagte Laura mit ruhigem, entschlossenem Lächeln

Unverschämt, rücksichtslos — und trotzdem mutig entschieden.
Geschichten

— Laura, wir sind schon auf der Autobahn. Gegen Abend sind wir da. Mach das zweite Zimmer frei — wir kommen zu siebt, — erklang Sandras Stimme ohne jede Begrüßung. Kein „Hallo“, kein Zögern. Nur dieser gleichmäßige, unbeirrbare Tonfall, als würde eine automatische Ansage abgespielt.

Laura zog das Handy langsam vom Ohr weg. Für ein paar Atemzüge blieb sie reglos stehen und blickte durch das Fenster hinaus. Hinter der Scheibe glitzerte das Meer in der Nachmittagssonne — türkisfarben, flirrend, erfüllt von dieser satten Julihitze. Sie und Felix hatten die Wohnung bereits im März reserviert: zwei Zimmer, eine breite Veranda, Blick auf die Bucht. Ein halbes Jahr lang hatten sie jeden Euro zur Seite gelegt, um sich endlich eine richtige Auszeit zu gönnen — den ersten unbeschwerten Urlaub seit drei Jahren.

Felix saß draußen auf der Veranda; er hatte jedes Wort mitgehört. Als Laura schließlich auflegte, stellte er sein Glas langsam auf den Tisch.

— Ich habe sie nicht eingeladen.

— Das weiß ich.

— Und was jetzt?

Laura antwortete nicht sofort. Ein kurzer Moment des Schweigens spannte sich zwischen ihnen. Dann erschien auf ihrem Gesicht ein Lächeln — nicht das nachgiebige, mit dem man klein beigibt, sondern jenes ruhige, entschlossene, das eine Entscheidung ankündigt.

— Sollen sie doch kommen.

Felix musterte sie aufmerksam. Dieses Lächeln kannte er nur zu gut.

Die Wohnung gehörte Alexander Köhler, einem Studienfreund von Laura. Er lebte in Dortmund, vermietete jedoch jeden Sommer sein Appartement am Meer — ordentlich, mit Vertrag, zu einem fairen Preis. Etwa zwanzig Minuten nach dem Telefonat mit Sandra rief Laura ihn an.

— Alexander, ich habe eine etwas ungewöhnliche Bitte.

— Ich höre.

— Du wolltest doch ohnehin wegen der Unterlagen vorbeischauen. Könntest du das vielleicht in drei Tagen tun?

— Theoretisch schon. Ist etwas passiert?

— Nichts Dramatisches. Ich brauche dich hier nur in deiner Rolle als Eigentümer. Genau genommen bist du das ja auch. Also sei es bitte ganz offiziell.

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause.

— Verstanden. Wir spielen mit.

Sandra tauchte gegen halb acht am Abend auf. Sie betrat als Erste die Wohnung, schwer bepackt mit vier überquellenden Taschen, die sie ohne zu fragen mitten im Flur abstellte. Hinter ihr drängten drei Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren herein, ihr Mann Noah Lehmann, dessen Mutter Sabine Meier sowie der etwa zwanzigjährige Neffe Milo Engel, der kaum über die Schwelle getreten war, da stellte er bereits seine einzige Frage des Abends:

— Wie lautet das WLAN-Passwort?

— Da sind wir! — rief Sandra mit ausgebreiteten Armen und ließ den Blick prüfend durch die Räume schweifen, als gehöre alles ihr. — Ach du meine Güte, wie schön es hier ist.

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