„Lena, es sind doch nur fünfzehn Personen“ sagte er gönnerhaft

Diese gönnerhafte Anspruchshaltung ist verletzend und beschämend.
Geschichten

Gestern Abend erhielt mein Mann einen Anruf von seiner über alles geliebten Mutter. Johanna Hermann hatte offenbar Langeweile – und beschloss kurzerhand, dass es Zeit für ein spontanes Familientreffen sei. Kein Anlass, kein besonderer Grund, einfach ein „Fest des Lebens“, wie sie es nannte. Matthias Huber war sofort Feuer und Flamme. Mich vorher zu fragen? Sich zu erkundigen, ob ich Zeit, Energie oder auch nur die geringste Lust hätte, eine Horde Verwandter zu bewirten? Aber bitte – Feldherren beraten schließlich auch nicht die Infanterie, wenn sie einen Feldzug planen.

„Mama vermisst uns. Ich habe ihr versprochen, dass wir am Wochenende alle zu uns einladen. Natürlich mit allem Drum und Dran“, verkündete er beim Frühstück mit feierlicher Miene, während er bedächtig den Zucker in seinem Kaffee kreisen ließ und in die Ferne blickte, als stünde er bereits auf einer Tribüne.

Ich nahm einen Schluck, musterte sein zufriedenes Profil und erklärte ruhig, dass das Wort „wir“ im Deutschen nicht automatisch „ich allein“ bedeutet.

Er hielt inne, die Tasse schwebte auf halbem Weg zum Mund. In seiner inneren Ordnung der Dinge war eine Ehefrau offenbar standardmäßig als kostenfreie Organisationsabteilung eingeplant.

„Lena, es sind doch nur fünfzehn Personen“, sagte er gönnerhaft, als würde er einem uneinsichtigen Kind etwas erklären. „Als Familie übernehmen wir eben die Gastgeberrolle. Unsere Wohnung ist groß genug. Mama hat auch schon ein ganz bescheidenes Menü vorgeschlagen: drei Salate, zwei Vorspeisen, ein Hauptgericht und eine selbstgebackene Torte. Wirklich nichts Kompliziertes.“

„Wie wunderbar“, entgegnete ich und legte den Löffel beiseite. „Dann kannst du dein Talent als Küchenchef unter Beweis stellen. Fang am besten Freitagabend mit dem Marinieren an.“

Sein Blick sprach Bände. Großzügigkeit misst sich bei manchen Männern offenbar daran, wie bereitwillig sie die Zeit anderer verschenken – vorzugsweise an die eigene Mutter. Genau so ein Fall lag hier vor.

„Das ist doch nicht dein Ernst“, sagte er scharf. „Eine Ehefrau steht hinter ihrem Mann. Mama zählt auf dich.“

„Hinter dir stehen – ja. Deine Prestigeprojekte am Herd ausbaden – nein. Merkst du den Unterschied?“

Meine Stimme blieb ruhig, beinahe sachlich.

Er verzog das Gesicht. „Wenn du meiner Mutter ein Fest zusagst, dann gehört es sich, dass du dich darum kümmerst“, setzte er an.

Ich sah ihn direkt an. „Wenn du deiner Mutter ein Bankett versprichst, dann liegt auch die Verantwortung dafür bei dir.“

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