Sie schwieg einen Moment, strich erneut gedankenverloren über den Ring an ihrer Hand und sagte dann: „Ich wünsche mir etwas Dauerhaftes. Schmuck ist wunderschön, aber er verschwindet irgendwann in einer Schatulle.“
In den darauffolgenden Tagen kreisten ihre Gedanken unablässig um diese Frage. Eine Reise? Dorothea Wolf war erst vor Kurzem verreist. Ein neues Küchengerät? Ihr Haushalt war bestens ausgestattet. Nein, es musste etwas sein, das Bestand hatte – etwas, das wirklich Bedeutung trug.
Während ihrer Mittagspause rief Laura schließlich ihren Vater an. „Was hältst du von einem kleinen Wochenendhaus?“, fragte sie ohne Umschweife.
„Ein Wochenendhaus? Für wen genau?“ Er legte hörbar sein belegtes Brötchen zur Seite.
„Für Dorothea“, erklärte Laura und breitete vor sich die ausgedruckten Exposés aus. „Ein Grundstück mit einem Häuschen. Sie hat doch immer davon gesprochen, eigenes Gemüse anzubauen und im Grünen zu sitzen.“
Am anderen Ende entstand eine kurze Pause. „Das klingt durchdacht“, meinte ihr Vater schließlich zustimmend. „Sieh dich in der Umgebung um. Nichts Protziges – eher gemütlich und praktisch.“
Also durchforstete Laura tagelang Immobilienanzeigen, führte Gespräche mit Maklern und fuhr zu Besichtigungen. Doch vieles schied rasch aus: zu weit außerhalb, renovierungsbedürftig oder schlicht überdimensioniert.
Bis ein Angebot ihre Aufmerksamkeit fesselte.
„Stadtrand, etwa zwanzig Minuten mit dem Auto“, erklärte der Makler und schob ihr Fotos über den Tisch. „Sechs Ar Land, ein solides kleines Haus, dazu ein paar alte Obstbäume. Gepflegt, aber mit Potenzial.“
„Und der Preis?“ Laura beugte sich näher über die Bilder.
„Zweieinhalb Millionen. Verhandlungsbasis. Die Eigentümer ziehen berufsbedingt in eine andere Stadt.“
Genau das, was sie gesucht hatte. Überschaubar, charmant, ausbaufähig. Sie stellte sich bereits vor, wie Dorothea zwischen Apfelbäumen stand und stolz ihre ersten Tomaten erntete.
Am Abend sprach sie erneut mit ihrem Vater, der ihre Wahl bekräftigte. „Deine Schwiegermutter ist vernünftig“, sagte er. „So ein Rückzugsort wird ihr mehr bedeuten als jedes Luxusgeschenk. Und finanziell ist es für dich machbar.“
Mit klopfendem Herzen wählte Laura anschließend Sebastians Nummer. Sie war gespannt auf seine Reaktion.
„Sebastian, ich habe eine Idee für den Geburtstag deiner Mutter“, begann sie kaum, dass er sich gemeldet hatte.
„Jetzt machst du mich neugierig“, erwiderte er lachend. „Erzähl.“
„Was würdest du zu einem kleinen Haus am Stadtrand sagen? Mit Garten, Obstbäumen – genug Platz für ein paar Beete.“
Einen Moment war es still, dann hörte sie seine begeisterte Stimme. „Das meinst du ernst? Mama würde ausflippen vor Freude! Sie redet seit Jahren davon, eigenes Gemüse anzubauen.“
Laura lächelte erleichtert. Genau diese Reaktion hatte sie sich erhofft. Sebastian unterstützte sie immer, wenn es darum ging, seiner Familie eine Freude zu bereiten.
„Der Preis liegt bei zweieinhalb Millionen“, fügte sie hinzu. „Aber es ist wirklich sein Geld wert. Stell dir vor, wie glücklich sie wäre.“
„Das ist mit Abstand die beste Idee überhaupt!“, rief er begeistert. „So ein Geschenk vergisst man nie. Du bist unglaublich, weißt du das?“
Seine warmen Worte ließen ihr Herz höher schlagen. In Gedanken sah sie schon die drei gemeinsam am Küchentisch sitzen, Pläne schmieden und den Geburtstag vorbereiten.
„Ich muss jetzt zurück in eine Besprechung“, sagte Sebastian schließlich sanft. „Heute Abend reden wir in Ruhe weiter. Beim Essen machen wir Nägel mit Köpfen.“
„Abgemacht“, antwortete Laura zufrieden.
Sie wollte das Gespräch gerade beenden und sich wieder ihrer Arbeit widmen, als sie das Handy bereits vom Ohr nahm und dabei nicht bemerkte, dass die Verbindung offenbar noch nicht ganz unterbrochen war.
