„Laura zieht morgen hier ein“, verkündete Moritz selbstgefällig — Johanna legt die Gabel langsam nieder und sieht ihn kühl an

Diese selbstgerechte Gewissheit war unerträglich und widerlich.
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»Laura zieht morgen hier ein«, sagte Moritz und schob sich mit sichtlichem Appetit ein Stück gebratenes Hähnchen in den Mund.

Er brachte es mit einer Selbstverständlichkeit hervor, als teile er lediglich mit, ob es am nächsten Tag regnen würde. In seiner Stimme lag weder Unsicherheit noch die leiseste Spur einer Frage. Es war die Verkündung einer Tatsache, vorgetragen mit der zufriedenen Überzeugung eines Mannes, der bereits für alle Beteiligten entschieden hatte — und natürlich die einzig richtige Lösung gefunden zu haben glaubte.

Johanna legte ihre Gabel langsam auf den Teller zurück. Nicht mit einem Knall, nicht hastig, nicht wütend. Sie setzte sie beinahe vorsichtig ab, mit einer unnatürlich genauen, kontrollierten Bewegung. Das leise Klirren von Metall auf Porzellan klang in diesem Augenblick unangenehm scharf.

In aller Ruhe kaute sie den letzten Bissen ihres Salats, schluckte ihn hinunter und nahm einen kleinen Schluck Wasser. Währenddessen ließ sie ihren Mann keine Sekunde aus den Augen. Ihr Blick blieb ruhig, aufmerksam, fast prüfend — als sähe sie ihn gerade zum ersten Mal wirklich.

Moritz, ganz versunken in sein Abendessen und in das Gewicht seiner eigenen Großartigkeit, bemerkte diese Veränderung nicht. Er erwartete Bewunderung. Dankbarkeit. Vielleicht sogar Rührung darüber, wie fürsorglich er doch war.

»Ihre eigene Zweizimmerwohnung wird sie vermieten«, fuhr er fort und tupfte sich mit der Serviette den Mundwinkel ab. Man sah ihm an, wie sehr er diesen Moment genoss. »Stell dir vor, was das für ein schöner Zuschuss zu ihrer Rente ist. Und für uns ist es ebenfalls eine Hilfe. Sie kocht fantastisch, beim Putzen packt sie auch mit an, du wirst es viel leichter haben. Mit dem Makler habe ich schon gesprochen. Es gibt bereits Interessenten, eine ordentliche junge Familie.«

Er strahlte. Er glänzte förmlich wie frisch poliertes Silber. In diesem Augenblick glich er einem Zauberkünstler, der nicht nur ein Kaninchen aus dem Hut gezogen hatte, sondern gleich einen ganzen Elefanten, und nun auf tosenden Applaus wartete. Er hatte entschieden, organisiert, geregelt. Er hatte alle glücklich gemacht: seine Mutter und seine Frau. Der perfekte Sohn. Der perfekte Ehemann. Nur beeilte Johanna sich nicht, in Beifall auszubrechen.

Sie neigte den Kopf ein wenig zur Seite, und über ihre Lippen huschte ein Lächeln. Doch dieses Lächeln ließ Moritz plötzlich unbehaglich werden, als hätte ihn ein kalter Luftzug im Nacken gestreift. Es enthielt weder Freude noch Wärme. Darin lag nur eine kühle, messerscharfe Neugier, wie der Blick eines Chirurgen über einem freigelegten Operationsfeld.

»Eine hervorragende Idee, mein Lieber«, sagte sie. Ihre Stimme klang gleichmäßig, gelassen, beinahe zärtlich — und stand damit in hartem Gegensatz zu ihren Augen. »Wirklich genial. Aber weißt du, was noch besser wäre? Wenn sich niemand benachteiligt fühlt. Wenn alles gerecht zugeht.«

Moritz runzelte verständnislos die Stirn. Die Falle spürte er noch nicht. Er schwebte weiterhin in der Euphorie seiner eigenen Großzügigkeit. Vor seinem inneren Auge sah er ausschließlich Vorteile: eine kostenlose Köchin, eine kostenlose Haushaltshilfe und zusätzliches Geld im Familienbudget, das sich später wunderbar in Angelausrüstung oder eine neue Spielekonsole verwandeln ließ.

Da setzte Johanna zum Gegenschlag an. Sie beugte sich vor, stützte die Ellbogen auf den Tisch, und ihre Stimme bekam die Härte von gehärtetem Stahl.

»Wenn deine Mutter zu uns ziehen und ihre Wohnung vermieten soll, dann lade ich, damit das Glück vollkommen wird, doch einfach auch meine Mutter ein. Dann sehen wir, welche von beiden die andere zuerst zur Aufgabe zwingt.«

Moritz verschluckte sich an seinem Bissen. Er begann zu husten, sein Gesicht lief augenblicklich dunkelrot an. Er starrte seine Frau an, als habe sie nicht vorgeschlagen, ihre Mutter aufzunehmen, sondern einen ausgehungerten Alligator im Wohnzimmer einzuquartieren.

»Bist du verrückt geworden?«, brachte er schließlich hervor, nachdem er hastig Wasser getrunken hatte. »Was hat denn deine Mutter damit zu tun? Das ist doch etwas völlig anderes!«

»Was genau ist daran anders, Moritz?« Johanna hob nicht einmal die Stimme, und gerade diese eisige Ruhe wirkte stärker als jedes Geschrei. »Erklär es mir. Deine Mutter lebt allein, meine ebenfalls. Deine möchte uns helfen, und meine ist fest davon überzeugt, dass wir ohne ihre Hilfe gar nicht überleben können — das sagt sie mir schließlich bei jedem Telefonat. Deine Mutter bekommt durch die Vermietung einen angenehmen Zuschlag zu ihrer Rente, meine spart sich dafür die laufenden Kosten ihrer Wohnung. Ist das nicht gerecht? Ich finde, gerechter geht es kaum.«

»Aber … meine Mutter ist ruhig, sie wird niemandem zur Last fallen!«, stieß er hervor und griff nach dem ersten Argument, das ihm einfiel. Noch während er sprach, begriff er selbst, wie schwach es war.

»Ach, und meine läuft dann mit einer Trommel durch die Wohnung?«, fragte Johanna spöttisch. »Im Vergleich zu manch anderen Menschen ist meine Mutter ein Engel auf Erden. Eine gebildete Frau, Musiklehrerin mit vierzig Jahren Berufserfahrung. Abends wird sie uns Chopin vorspielen. Für ein Klavier haben wir natürlich keinen Platz, aber ein Keyboard lässt sich beschaffen. Ist das nicht wunderbar? Endlich bekommt unser Zuhause eine kulturelle Atmosphäre.«

Moritz öffnete und schloss den Mund wie ein Fisch, der ans Ufer geraten war. Er saß in einer Falle, die aus seinen eigenen Argumenten gezimmert worden war. Jeder Versuch, zu widersprechen oder Johannas Mutter abzuwerten, hätte wie eine direkte Beleidigung und wie ein Paradebeispiel doppelter Maßstäbe geklungen. Er konnte schlecht sagen: »Meine Mutter ist besser als deine, weil es eben meine ist.« Er war hineingetappt wie ein Anfänger in eine primitive Schachkombination.

»Also, mein Lieber?«, fragte Johanna ruhig.

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