„Darum fährt die Waschmaschine jetzt zu Mama.“ sagte er belehrend, schob mein neues Gerät fort und ließ mich fassungslos an der Haustür zurück

Arrogante Großzügigkeit, erbärmlich verkleidet als Opfer.
Geschichten

„Entweder wir laden das Ding jetzt ab, oder Sie zahlen mir die Ausfallzeit!“, bellte er so laut, dass es über den ganzen Hof schallte.

Jakob Roth presste die Lippen zusammen, murmelte etwas Unverständliches, das stark nach Verwünschungen klang, und fischte widerwillig in der Innentasche seiner Jacke nach dem Portemonnaie. Man sah ihm an, dass jede einzelne Banknote, die seine Hand verließ, ihm beinahe körperliche Schmerzen bereitete. Der große Stratege bezahlte soeben aus eigener Tasche die Eintrittskarte zu seiner Niederlage.

Als der Transporter endlich vom Hof rollte, trat Konrad Kraus mit unschuldigem Gesichtsausdruck näher.

„Soll ich mit anfassen, Nachbar?“, fragte er mit jener übertriebenen Hilfsbereitschaft, die nur noch wie Spott klingen konnte.

„Ich komme allein klar!“, fauchte Jakob, spannte sich vor die Sackkarre und wuchtete sie unter lautem Stöhnen über die hohe Betonkante am Hauseingang.

Aus seinem geplanten Siegeszug war eine Vorführung für die ganze Nachbarschaft geworden. Den restlichen Tag verbrachte er keuchend in unserem winzigen Bad. Dabei stellte sich heraus, dass er beim hastigen und heldenhaften Abbau das Gewinde am Zulaufschlauch gründlich ruiniert hatte. Also musste er alles liegen lassen, zum Baumarkt rennen, neue Teile von seinem eigenen Geld kaufen und anschließend demütig die schmutzigen Pfützen vom Fliesenboden aufwischen.

Am Abend kam er von seiner Mutter zurück: erschöpft, ölverschmiert und so wütend, dass man ihm besser nicht zu nahe kam. Konrad Kraus hatte mit seiner Vermutung vollkommen recht behalten.

Aus den Tiefen von Christina Möllers Waschmaschine wurden feierlich eine perlmuttfarbene Knopfleiche, eine Handvoll rostiger Münzen, eine verbogene Haarklammer und eben jener berüchtigte Metallbügel aus einem BH geborgen. Nach dieser simplen Reinigung schnurrte das betagte Gerät wieder leise und zuverlässig, fast wie ein teures Schweizer Uhrwerk.

Christina Möller versuchte natürlich, sich darüber zu empören, dass ihr Sohn nicht mit einer neuen, glänzenden Maschine vor der Tür stand. Jakob brachte jedoch nur ein dumpfes Knurren hervor und winkte müde ab.

Sein großmütiger Rettungsfeldzug endete mit ungeplanten Kosten, einem verrenkten Rücken, einem unwiederbringlich verlorenen Wochenende und dem wohlverdienten Titel des größten Spaßvogels in unserem Hausflur.

Von diesem Tag an verschob sich das Kräfteverhältnis in unserer Familie spürbar. Sobald Christina Möller anrief und über irgendein streikendes Gerät klagte, über ein blinkendes Display, einen verdächtig brummenden Motor oder sonst ein Drama, bei dem sie insgeheim sofortige Opfergaben erwartete, atmete mein Mann schwer aus und sagte seinen neuen Standardsatz:

„Mama, schau zuerst ins Flusensieb.“

Meine Waschmaschine dagegen steht bis heute friedlich an ihrem rechtmäßigen Platz. Sie glänzt, läuft zuverlässig und erinnert mich jedes Mal daran, dass persönliches Eigentum manchmal energischer verteidigt werden muss als jede Weltanschauung.

Übrigens, liebe Frauen: Falls irgendein Verwandter plötzlich den Wunsch verspürt, über euer Eigentum zu verfügen und das Ganze mit hohen moralischen Grundsätzen zu garnieren, verschwendet keine Kraft auf lange Diskussionen. Stimmt zu. Aber gebt zu eurem Besitz unbedingt den Wohltäter selbst als Pflichtzugabe dazu. Die Lebenserfahrung zeigt nämlich: Fremde Sachen mögen alle. Nur die erwachsenen Ritter, die sie transportieren, anschließen und warten sollen, möchte seltsamerweise niemand übernehmen.

LebensKlüber