„Darum fährt die Waschmaschine jetzt zu Mama.“ sagte er belehrend, schob mein neues Gerät fort und ließ mich fassungslos an der Haustür zurück

Arrogante Großzügigkeit, erbärmlich verkleidet als Opfer.
Geschichten

Die Miene meiner Schwiegermutter kippte augenblicklich. Von der eben noch honigsüßen Erwartung blieb keine Spur; stattdessen trat jene nüchterne Härte zutage, die immer dann erschien, wenn es um ihren eigenen Komfort ging.

„Welchen Jakob denn?“, fuhr Christina Möller auf und ihre Brillengläser blitzten empört.

„Wo soll ich den denn unterbringen? Meine Wohnung ist winzig, auf dem Sofa stehen schon die Schüsseln für die Marmelade! Und überhaupt: Einen erwachsenen Mann muss man ernähren. Hast du mal gesehen, was Lebensmittel inzwischen kosten? Von euch brauchte ich nur die Maschine!“

„Ach, wie bedauerlich“, seufzte ich mit aufrichtig gespieltem Mitgefühl.

„Nur leider läuft unser Angebot anders: Wer fremdes Eigentum anfordert, bekommt den Sohn gleich im Komplettpaket zurück. Mit Vollverpflegung. Einzelversand ist ausgeschlossen.“

Großzügigkeit auf Kosten anderer ist eben eine wunderbare Methode, sich bedeutend zu fühlen. Dumm nur, dass am Ende irgendjemand die Lieferung bezahlen muss.

„Moment mal“, mischte sich vom Bänkchen her Konrad Kraus ein und kniff listig ein Auge zusammen.

„Christina, was ist denn eigentlich mit deiner alten Waschhilfe los?“

Meine Schwiegermutter starrte noch immer wütend ins Display, antwortete aber widerwillig:

„Die poltert beim Schleudern wie verrückt. Als würden da Steine drin herumfliegen. Ein Höllenlärm ist das.“

Konrad rieb sich über die grauen Stoppeln am Kinn.

„Steine, sagst du? Das klingt eher nach einem verstopften Flusensieb. Da steckt wahrscheinlich eine Münze drin oder so ein Metallbügel vom BH. Unten die Klappe auf, Filter rausdrehen, Dreck entfernen, ausspülen, wieder einsetzen. Eine Sache von ein paar Minuten. Und ihr veranstaltet hier gleich eine Völkerwanderung mit Hausrat.“

Für einen Augenblick wurde es unangenehm still. Jakob Roths Gesicht bekam dunkle rote Flecken. Seine groß angelegte Rettungsmission für die Mutter, selbstverständlich mit meinem Eigentum als Opfergabe, schrumpfte vor aller Augen zu einer jämmerlichen Posse zusammen.

Genau in diesem Moment rumpelte ein schmutziger Lieferwagen des Möbeltaxis vor den Hauseingang. Die Fahrertür ging auf, und ein schlecht gelaunter Mann mit müden Augen beugte sich heraus.

„Bestellung hier? Dann macht hinne. Ich habe gleich den nächsten Auftrag und warte nicht ewig!“

Jakob trat von einem Fuß auf den anderen. Sein Blick sprang hilflos vom gepackten Koffer zur Sackkarre, dann zu Konrad, dessen Grinsen immer breiter wurde, und schließlich zu mir.

„Na, wenn du schon so entschlossen warst, bring die Sache auch ordentlich zu Ende“, ermunterte ich meinen Mann und kostete jede Sekunde aus.

„Nur die Route wird ein wenig angepasst.“

Also erklärte ich ihm in aller Ruhe die neue Lage. Meine Waschmaschine würde nirgendwohin gefahren werden. Stattdessen bezahlte Jakob den sinnlosen Anfahrtsauftrag aus eigener Tasche. Danach schob er das Gerät auf genau dieser Sackkarre wieder hinauf in unsere Wohnung, und zwar vorsichtig genug, damit im Hausflur keine Fliese Schaden nahm. Anschließend schloss er die Schläuche wieder an, richtete die Maschine sauber aus und prüfte gewissenhaft, ob sie standfest war und beim Schleudern nicht tanzte.

Und danach, fügte ich hinzu, dürfe er selbstverständlich zu Christina Möller fahren, dort mit seinen ach so geschickten Händen das Flusensieb reinigen und bei seiner Mutter wieder Ordnung schaffen.

Der Fahrer, dem das kostenlose Straßentheater allmählich auf die Nerven ging, legte sich auf die Hupe und brüllte, Jakob solle sich jetzt endlich entscheiden.

LebensKlüber