„Es ist meine Wohnung. Bezahlt von meinem Geld“ sagte Laura müde, während ihre Schwiegermutter fassungslos nach Luft schnappte

Egoistische Selbstsucht trifft feige Familienloyalität — zutiefst ungerecht.
Geschichten

— Elisa Bauer ist Ihre jüngere Tochter, — sagte Laura Albrecht langsam. — Sie ist zweiunddreißig. Von welcher Weiterbildung reden Sie?

— Sie will Kurse besuchen!

— Und wozu braucht Maximilian Huber ein Auto? Er hat nicht einmal einen Führerschein.

— Dann macht er ihn eben!

Laura schloss für einen Moment die Augen. Diese Absurdität wuchs mit jeder Antwort weiter an.

— Sandra Krause, das war mein Geld. Das Erbe meiner Großmutter. Ich hatte jedes Recht, mir davon eine eigene Wohnung zu kaufen.

— Eine Wohnung hast du doch. Hier!

— Das ist Ihre Wohnung. Nicht meine.

— Aber wir sind doch eine Familie!

— Eine Familie, in der ich seit fünf Jahren nur geduldet werde. In der ich nicht einmal kochen kann, ohne vorher Ihre Erlaubnis einzuholen.

Sandra Krause riss empört die Arme hoch.

— Maximilian! Hörst du, wie sie mit mir spricht?

Maximilian Huber lehnte an der Wand und schwieg.

— Maximilian, — sagte Laura und sah ihn an. — Sag bitte etwas.

Er hob den Kopf. Sein Blick wanderte erst zu seiner Mutter, dann zu seiner Frau.

— Na ja… Mama hat schon recht, Laura. Du hättest es vorher mit uns besprechen müssen. Es geht schließlich um eine große Summe.

— Um meine große Summe.

— Trotzdem, wir sind doch eine Familie…

— Also steht deine Mutter auf der richtigen Seite? — Lauras Stimme blieb leise, doch jedes Wort traf hart. — Ich hätte euch das Geld geben sollen, statt mir ein Zuhause zu kaufen?

Maximilian geriet ins Stocken.

— Nicht geben… aber darüber reden hättest du müssen.

— Mit wem? Mit dir? Mit deiner Mutter? Oder mit deiner Schwester, die einmal im Monat vorbeikommt, wenn sie Geld braucht?

— Laura, du bist gerade völlig außer dir! — fuhr Sandra Krause dazwischen.

— Nein. Ich bin sehr klar. Ich habe nur zum ersten Mal seit fünf Jahren etwas getan, weil ich es wollte. Nicht, weil Sie es wollten.

Sie drehte sich um, ging in das Zimmer, in dem Sophie Stein schlief, und weckte ihre Tochter behutsam.

— Mein Schatz, pack deine Spielsachen ein. Wir ziehen um.

— Wohin? — murmelte Sophie verschlafen.

— In unser neues Zuhause.

Laura brauchte keine zwanzig Minuten. Zwei Taschen reichten: Kleidung, Unterlagen und Sophies liebste Spielsachen. Mehr wollte sie nicht mitnehmen.

Maximilian stand im Türrahmen.

— Du willst wirklich gehen?

— Ja.

— Laura, das ist doch Unsinn. Wegen so etwas?

Sie hielt inne und sah ihm direkt in die Augen.

— Nicht wegen „so etwas“. Sondern weil du dich in fünf Jahren kein einziges Mal vor mich gestellt hast. Kein einziges Mal hast du deiner Mutter gesagt, dass es reicht. Du hast mich nie verteidigt.

— Ich wollte einfach keinen Streit…

— Und ich will nicht länger in einem Haus leben, in dem man mich nicht respektiert.

Sandra Krause rief ihr noch etwas über Undankbarkeit, Egoismus und die verdorbene junge Generation hinterher. Laura drehte sich nicht um.

Sie nahm Sophie an die Hand, bestellte ein Taxi und fuhr davon.

In der neuen Wohnung kamen sie erst spät am Abend an. Sophie lief neugierig durch die leeren Zimmer, und ihre Stimme hallte hell von den kahlen Wänden zurück. Laura breitete eine Decke auf dem Boden aus und holte eine Thermoskanne mit Tee hervor.

— Mama, wohnen wir jetzt hier? — fragte Sophie.

— Ja, mein Herz.

— Und Papa?

— Papa bleibt vorerst bei der Oma.

— Warum?

Laura zog ihre Tochter an sich.

— Weil Erwachsene manchmal Abstand brauchen. Damit sie nachdenken können.

Sophie nickte mit jener kindlichen Weisheit, die Laura immer wieder erstaunte.

Sie saßen auf dem Boden, tranken Tee aus derselben Tasse und blickten hinaus auf die nächtliche Stadt. Es war still. Friedlich.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren fühlte es sich wirklich ruhig an.

Maximilian rief jeden Tag an. Zuerst war er wütend, dann bat er sie zurückzukommen, später flehte er.

— Laura, hör auf mit diesem Theater. Komm nach Hause.

— Nein.

— Mama ist verletzt.

— Ich auch.

— Was soll das alles?

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