„Sie ist nicht meine.“ presste ich heiser hervor, das DNA-Ergebnis zitternd zwischen meinen Fingern

Diese entsetzliche Ungewissheit zerreißt mein verblendetes Vertrauen.
Geschichten

Ich saß im Sprechzimmer des Psychologen Thomas Baumann und brachte kein Wort heraus. Zwischen meinen Fingern zitterte ein Blatt Papier: das Ergebnis eines DNA-Tests. Ich starrte auf die Zahlen, als könnten sie sich doch noch verändern.

Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft: 0,00 %.

Thomas Baumann schwieg. Er war ein erfahrener Therapeut, etwa sechzig Jahre alt, ein Mann, der in seinem Beruf vermutlich schon jede Art von Zusammenbruch gesehen hatte. Trotzdem merkte auch er, dass vor ihm jemand saß, der kurz davor war, innerlich zu zerbrechen.

Irgendwann presste ich heiser hervor:

„Sie ist nicht meine.“

„Wer?“, fragte er leise.

„Meine Tochter. Emma Köhler ist acht. Acht Jahre lang habe ich sie großgezogen. Und jetzt steht da, dass sie nicht von mir ist.“

Ich schob ihm das Blatt über den Tisch. Thomas Baumann nahm es, las die Zeilen aufmerksam, nickte kaum merklich und reichte es mir zurück.

„Fangen Sie ganz von vorn an“, sagte er.

Also begann ich zu erzählen.

Wie alles anfing: die ersten Zweifel

Ich bin neunundvierzig Jahre alt. Meine Frau Anna König ist siebenundvierzig. Seit zwanzig Jahren sind wir zusammen. Unsere Tochter Emma wurde geboren, als ich einundvierzig war.

Sie war ein Kind, auf das wir unendlich lange gewartet hatten. Zehn Jahre lang hatten wir es versucht. Irgendwann hatten wir uns fast damit abgefunden, dass wir kinderlos bleiben würden. Und dann war Anna plötzlich schwanger.

Ich war außer mir vor Glück. Ich kümmerte mich um sie, als wäre sie aus Glas, richtete das Kinderzimmer her, kaufte Stofftiere, kleine Kleidchen, Spielzeug. Als Emma zur Welt kam, weinte ich vor Freude.

In den ersten Jahren fiel mir nichts Ungewöhnliches auf. Ein kleines Mädchen wie jedes andere. Hellhaarig, blaue Augen, auf den ersten Blick sogar ein bisschen wie ich.

Doch als sie etwa vier war, begann etwas in mir zu nagen. Ihr Gesicht, ihre Mimik, ihre Bewegungen – nichts davon kam mir vertraut vor. Es war, als betrachtete ich ein Kind, das ich liebte, aber in dem ich mich nicht wiederfand.

„Anna, wem sieht Emma eigentlich ähnlich?“, fragte ich einmal.

„Meiner Großmutter“, antwortete meine Frau sofort. „Warte nur ab, wenn sie größer ist, wird sie ihr wie aus dem Gesicht geschnitten sein.“

Ich glaubte ihr. Oder besser: Ich zwang mich, ihr zu glauben. Die Gedanken, die sich meldeten, schob ich weg.

Als Emma sieben wurde, erkrankte sie. Für Untersuchungen musste Blut abgenommen werden. Ich habe die Blutgruppe A positiv, Anna B positiv.

Emma aber hatte 0 negativ.

Ich fragte den Arzt:

„Wie kann so etwas sein?“

Er zuckte nur mit den Schultern.

„Genetik ist kompliziert. So etwas kommt vor.“

Doch zu Hause ließ mir die Sache keine Ruhe, und ich begann zu googeln.

LebensKlüber