„Ich habe allen schon gesagt, dass das Haus am Meer jetzt unser Familienhaus ist“ Sophie erstarrte mit der Tasse in der Hand

Unverschämter Anspruch verletzt mühsam erkämpftes Zuhause.
Geschichten

Sophie Engel wollte sofort widersprechen, doch ihre Stimme klang unsicherer, als sie beabsichtigt hatte.

„Aber darüber haben wir doch gar nicht gesprochen… Wir hatten eigene Pläne…“

Ihre Schwiegermutter wischte den Einwand mit einer achtlosen Handbewegung beiseite.

„Stell dich nicht so an. Das Haus ist groß genug, hier passt jeder hinein.“

Während sie das sagte, zog sie ihren Koffer bereits zielstrebig in Richtung des größten Schlafzimmers. Sophie folgte ihr hastig, noch immer unfähig zu begreifen, wie selbstverständlich diese Frau über fremde Räume verfügte.

Dann kam die nächste Eröffnung.

„Ach, übrigens: Ich habe der Verwandtschaft schon von eurem Haus erzählt. Alle sind ganz begeistert!“

„Welcher Verwandtschaft?“ Sophie spürte, wie ihr der Boden unter den Füßen wegzurutschen schien.

„Na, unseren Leuten eben. Meiner Schwester, den Kindern, den Neffen und Nichten. Sie waren schon so lange nicht mehr am Meer.“

Nach und nach stellte sich heraus, dass die Schwiegermutter mehreren Familien einen kostenlosen Urlaub zugesagt hatte. In einer Woche sollten ihre Schwester mit deren Mann anreisen, dazu zwei erwachsene Kinder mit ihren Ehepartnern und zwei Enkel.

Acht Personen insgesamt.

Und niemand hatte es für nötig gehalten, die Eigentümerin auch nur um Erlaubnis zu bitten.

Damit nicht genug: Die Schwiegermutter hatte die Zimmer bereits verteilt. Das große Schlafzimmer hatte sie für sich selbst vorgesehen. Das Kinderzimmer sollten die Verwandten mit den Kindern bekommen. Das Gästezimmer war für das zweite Paar bestimmt.

„Und wo sollen Lukas und ich schlafen?“, fragte Sophie leise.

„Auf der Veranda kann man doch ein Klappbett aufstellen. Oder ihr nehmt das Sofa im Wohnzimmer. Sei nicht so empfindlich, es ist ja nicht für immer.“

Am Abend kam Lukas Hartmann nach Hause. Sophie hörte das vertraute Motorengeräusch und trat ans Fenster. Unter den Kiefern stellte er den Wagen ab; man sah ihm an, dass ein langer Arbeitstag hinter ihm lag.

Seine Mutter eilte als Erste zur Tür und strich sich dabei die Falten ihres Kleides glatt.

„Lukas, mein Junge!“, rief sie und fiel ihm um den Hals. „Stell dir vor, ich wollte nur die Familie zusammenbringen, und deine Frau macht daraus ein Drama. Sie will die Verwandten nicht kommen lassen!“

Sophie sagte kein Wort. Stattdessen nahm sie ihr Handy, öffnete den Familienchat und reichte es ihrem Mann. Auf dem Display leuchtete eine Nachricht, die am Morgen verschickt worden war:

„Kommt alle. Das Haus ist riesig. Platz ist genug da. Sophie freut sich über Gäste.“

Lukas las den Verlauf. Mit jeder Zeile wurde sein Gesicht ernster. Schließlich hob er den Blick und sah seine Mutter an.

„Du hast Leute eingeladen, ohne uns zu fragen?“

„Was ist denn schon dabei?“ Sie zuckte nur mit den Schultern.

„Du hast auch die Zimmer verteilt?“

„Natürlich. Irgendjemand muss so etwas ja organisieren.“

„Sogar unser Schlafzimmer?“

„Und was soll daran falsch sein? Ich brauche ein bequemes Bett, mein Rücken macht mir zu schaffen.“

Offenbar hatte seine Mutter nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass ihr Sohn solche Fragen stellen würde. Schließlich war sie daran gewöhnt, dass Lukas ihr bisher immer nachgegeben hatte.

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