„Ich habe allen schon gesagt, dass das Haus am Meer jetzt unser Familienhaus ist“ Sophie erstarrte mit der Tasse in der Hand

Unverschämter Anspruch verletzt mühsam erkämpftes Zuhause.
Geschichten

— In einer Woche kommt meine Schwester mit ihrem Mann. Außerdem reisen meine Neffen mit ihren Familien an. Ich habe allen schon gesagt, dass das Haus am Meer jetzt unser Familienhaus ist, — verkündete die Schwiegermutter, während sie in aller Ruhe ihre Sachen in den Schrank des Hauptschlafzimmers räumte.

Sophie Engel erstarrte mit der Tasse in der Hand. Der Kaffee, der eben noch angenehm geduftet hatte, schmeckte ihr plötzlich bitter.

— Entschuldigung… was heißt denn „sie reisen an“?

— Acht Personen. Mach dir keine Sorgen, irgendwie rücken wir schon zusammen. Die Kinder brauchen schließlich Seeluft.

Sophie sah die Frau an, die dieses Haus noch vor einem Jahr als Bruchbude verspottet und über Sophies Wunsch gelacht hatte, es zu retten. Nun hängte die Schwiegermutter geschäftig ihre Kleider um, als richte sie sich in ihrer eigenen Wohnung ein. Auf dem Bett lagen bereits Kosmetiktaschen, auf dem Nachttisch stand eine eingerahmte Aufnahme der Enkel. Durch die neuen Fenster, für die Sophie ihre letzten Ersparnisse ausgegeben hatte, fiel helles Sonnenlicht. In der Luft mischten sich der Geruch des Meeres und der Rosen, die sie im Frühjahr eigenhändig gepflanzt hatte.

Das alte Häuschen am Meer hatte Sophies Großmutter gehört. Nach deren Tod tauchten plötzlich entfernte Verwandte auf und erhoben Ansprüche auf das Erbe, obwohl man sie jahrelang nicht gesehen hatte.

— Nicht einmal zur Beerdigung sind sie gekommen, — hatte Sophie damals empört zu ihrem Mann gesagt. — Und jetzt erinnern sie sich auf einmal an familiäre Gefühle!

— Vielleicht wäre es einfacher, nachzugeben? — hatte Lukas Hartmann vorsichtig eingeworfen. — Das kostet dich nur Kraft und Nerven…

Der Rechtsstreit zog sich fast zwei Jahre hin. Sophie beschaffte Unterlagen, fuhr zu Terminen, bezahlte Anwälte und musste sich nebenbei ständig spöttische Bemerkungen anhören.

Besonders eifrig war dabei ihre Schwiegermutter.

— Lass doch endlich diesen Schuppen los. Der fällt sowieso bald von allein zusammen, — sagte sie bei einem sonntäglichen Mittagessen.

— Für mich ist es eine Erinnerung an meine Großmutter, — versuchte Sophie zu erklären.

— Erinnerungen kann man auch in einem Fotoalbum aufbewahren. Ihr hättet lieber eine größere Wohnung kaufen sollen.

— Mama, das ist unsere Entscheidung, — stellte sich Lukas zwar vor seine Frau, doch besonders überzeugend klang er nicht.

— Du wirfst nur Geld für Anwälte hinaus. Wie viel ist es inzwischen? Fünfhundert Euro? Tausend?

Sogar einige Verwandte von Lukas hielten Sophie für stur und habgierig. Bei Familienfeiern fielen immer wieder spitze Bemerkungen über das „Geisterhäuschen“ und ihre angeblichen Luftschlösser.

Doch am Ende gewann sie den Prozess.

Als alle Papiere endlich auf ihren Namen ausgestellt waren, fuhren Sophie und ihr Mann los, um sich das Erbe genauer anzusehen. Das Haus war vernachlässigt, aber die Mauern waren solide. Aus den Fenstern war das Meer zu sehen.

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