„Wenn du noch einmal meine Unterlagen anfasst, fliegst du samt deinen Sachen aus dieser Wohnung“ — drohte Emilia Meier scharf und sah ihren Mann unverwandt an

Ihre kompromisslose Forderung wirkte herzlos und ungerecht.
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— Wenn du noch einmal meine Unterlagen anfasst, fliegst du samt deinen Sachen aus dieser Wohnung — sagte Emilia Meier scharf und sah ihren Mann dabei unverwandt an.

Emilia hatte Lukas Schmitt nach der Arbeit kennengelernt. Sie war nur kurz in das kleine Café neben ihrem Haus gegangen, um einen Kaffee zu trinken. Er saß am Nachbartisch, lächelte sie an und sprach sie zuerst an. Aus ein paar beiläufigen Sätzen wurde ein Gespräch, das fast zwei Stunden dauerte. Danach tauschten sie Telefonnummern aus. Emilia war achtunddreißig, geschieden und durch ihre erste Ehe vorsichtig geworden. Lukas war zweiundvierzig, ebenfalls geschieden, und hatte aus seiner früheren Ehe zwei Kinder.

Ein halbes Jahr trafen sie sich, bevor Lukas zu Emilia zog. Eigenen Besitz hatte er kaum: ein gemietetes Zimmer in einer Arbeiterunterkunft, ein altes Auto, das er kurz vor dem Umzug verkaufte, und die Pflicht, Unterhalt für seine beiden Kinder zu zahlen.

Emilia dagegen besaß eine Zweizimmerwohnung in der Innenstadt. Gekauft hatte sie sie, nachdem sie die kleine Einzimmerwohnung verkauft hatte, die sie von ihrer Großmutter geerbt hatte. Außerdem fuhr sie ein recht gutes Auto. In einem großen Unternehmen arbeitete sie als leitende Fachkraft und verdiente ordentlich.

Noch bevor Lukas seine Sachen zu ihr brachte, zog Emilia eine klare Grenze.

— Ich will mit deinen Kindern nichts zu tun haben. Hast du das verstanden? Es sind deine Kinder, nicht meine. Ich werde sie nicht treffen, nicht mit ihnen reden und mich auch nicht in ihre Erziehung einmischen. Wenn du damit nicht leben kannst, sag es lieber sofort.

Damals hatte Lukas eifrig genickt.

— Natürlich, Emilia. Ich verstehe alles. Mir reicht es, wenn ich mit dir zusammen sein darf. Die Kinder wohnen bei meiner Exfrau, ich zahle Unterhalt und besuche sie am Wochenende getrennt von unserem Leben. Das ist überhaupt kein Problem.

Drei Jahre lebten sie zusammen. Nach dem ersten gemeinsamen Jahr heirateten sie. Lukas fand eine Stelle als Manager in einer Baufirma. Sein Einkommen war durchschnittlich, doch Emilia verlangte von ihm keine großen finanziellen Leistungen. Die Nebenkosten teilten sie zur Hälfte, die Einkäufe ebenfalls. Ihr Alltag verlief ruhig, ohne Streit und ohne laute Szenen.

Emilia schöpfte keinen Verdacht, bis Lukas eines Abends plötzlich mit einem merkwürdigen Thema begann.

Sie saßen in der Küche beim Abendessen. Lukas rührte mit dem Löffel in seinem Tee, als wolle er nur nebenbei etwas erwähnen.

— Hör mal, was würdest du davon halten, wenn wir meine Kinder hier anmelden würden? Nur zur Sicherheit.

Emilia hielt mitten in der Bewegung inne, die Gabel noch in der Hand.

— Wozu?

— Na ja… — Lukas zuckte mit den Schultern. — Damit sie eine offizielle Adresse haben. Man weiß doch nie, was im Leben passiert. Es wäre nur eine Formalität, mehr nicht.

— Nein — sagte Emilia knapp und aß weiter.

— Warum nicht? Tust du dich damit etwa so schwer?

— Lukas, das ist meine Wohnung. Ich habe sie von meinem Geld gekauft. Deine Kinder haben damit nichts zu tun. Für mich ist dieses Gespräch beendet.

Lukas runzelte die Stirn, widersprach aber nicht. Er trank einen Schluck Tee und ging ins Wohnzimmer. Emilia blieb mit einem unangenehmen Gefühl zurück, redete sich jedoch ein, es sei nur eine dumme Idee gewesen, die ihm kurz durch den Kopf gegangen war.

Eine Woche später kam Mathilda Krause, Lukas’ Mutter, zu Besuch. Sie setzte sich an den Tisch, trank Tee und ging dann unvermittelt zum Angriff über.

— Emilia, sag einmal, warum bist du so hartherzig zu meinen Enkeln? Das sind Kinder, sie brauchen Familie!

Emilia sah sie erstaunt an.

— Mathilda Krause, wovon sprechen Sie?

— Du erlaubst ja nicht einmal, dass Lukas sie hierherbringt! Er hat es mir erzählt. Die Kinder möchten sehen, wo ihr Vater lebt, und du verbietest es ihnen!

— Ich verbiete überhaupt nichts — antwortete Emilia ruhig. — Lukas und ich haben noch vor der Hochzeit vereinbart, dass seine Kinder nicht Teil meines Lebens sein werden. Er war damit einverstanden. Für mich sind sie fremde Menschen.

— Fremde Menschen? Dein Mann ist ihr Vater!

— Dadurch werden sie trotzdem nicht zu meinen Kindern. — Emilia stand vom Tisch auf. — Mathilda Krause, bitte lassen wir dieses Thema. Lukas und ich hatten eine klare Absprache. Und er hat sie akzeptiert.

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