Nicht gemeinsam. Nicht als etwas, das zwischen zwei Menschen entsteht. Sondern so, dass jemand für ihn da ist.
Im August sprach ich es an. Diesmal begann ich selbst.
„Andreas, ich muss eine Sache verstehen. Ist Emma für dich eigentlich eine Fremde?“
Er sah mich überrascht an.
„Wieso fremd? Sie ist doch eine ganz normale Frau. Du weißt doch, dass ich nichts gegen sie habe.“
„Und Noah?“
„Ein Kind eben.“
„Als er krank war, hast du gesagt: ‚Gibt es denn sonst niemanden?‘“
Andreas atmete schwer aus. Dann stellte er seine Tasse auf den Tisch.
„Mia, ich bin doch nicht verpflichtet … Das ist deine Familie. Ich habe nichts dagegen, wenn sie vorbeikommen. Aber ich kann nicht so tun, als wäre es auch meine. Wir sind seit vier Monaten zusammen.“
Ich nickte nur.
„Und Jonas ist deine Familie?“
„Jonas ist mein Sohn.“
„Ja“, sagte ich leise. „Das verstehe ich.“
Ich stand auf, spülte meine Tasse aus und stellte sie in den Abtropfständer. Ohne Zittern, ohne Vorwurf. Erstaunlich ruhig.
„Andreas, ich glaube, ich habe dich damals am Anfang falsch verstanden. Als du gesagt hast, du möchtest jemanden neben dir haben, dachte ich, es ginge um zwei Menschen. Jetzt sehe ich, dass es vor allem um dich ging.“
Er antwortete nicht.
Ich ging ins Schlafzimmer. Er kam nicht hinterher.
Zwei Wochen später zog er aus. Ohne Geschrei, ohne Drama — wir seien schließlich erwachsene Leute, sagte er ja immer gern. Er legte seine Sachen ordentlich zusammen, vergaß nichts und nahm sogar seine Tasse mit den Hirschen mit.
Beim Abschied meinte er:
„Du bist eine gute Frau, Mia. Wir sehen die Dinge nur unterschiedlich.“
Ich widersprach nicht.
Später fragte Sandra mich, ob ich es bereue.
Ich dachte ehrlich darüber nach.
„Was genau?“, fragte ich zurück.
„Na ja, dass ihr so schnell zusammengezogen seid.“
„Nein“, sagte ich. „Lieber nach vier Monaten erkennen, woran man ist, als erst nach vier Jahren.“
Sandra nickte. Sie ist eben Realistin, das sagte ich ja schon.
Noah war letzte Woche da. Er saß in meiner Küche, aß meine löchrigen Pfannkuchen und erzählte eine völlig verwickelte Geschichte aus dem Kindergarten, irgendetwas mit einer Schildkröte.
Ich hörte ihm zu und dachte: Genau das bedeutet Nähe. Wirklich neben einem sein.
