„Zweihundertvierundsiebzig Euro“ rief sie ungläubig und strich den Kassenzettel mit der Handfläche glatt

Diese unverschämte Verschwendung ist zutiefst beschämend.
Geschichten

— Das hast du jetzt nicht wirklich mit nach Hause gebracht, oder? — Johanna Schmitt stellte die Einkaufstüte auf den Hocker, als läge darin nicht Essen, sondern fremde Dreistigkeit, sauber in Plastik eingeschweißt. — Maximilian, bitte sag mir, dass das nicht dieser Käse für zwanzig Euro ist.

— Fang nicht schon an, kaum dass ich zur Tür reinkomme, — Maximilian Huber zog die Schuhe aus, schüttelte seine Jacke aus und ging in die Küche. — Meine Eltern kommen morgen. Das habe ich dir doch gesagt.

— Du hast gesagt, du holst „irgendwas zum Tee“. Offenbar benutzen wir verschiedene Wörterbücher. In meinem bedeutet „zum Tee“ Kekse und eine Zitrone. In deinem heißt es Lachs, Serranoschinken und Käse, der so viel kostet wie die Hälfte meiner Winterjacke.

— Johanna, mach dich nicht lächerlich. Der Schinken war im Angebot.

— Ich mache mich lächerlich? Wirklich? — Sie zog den Kassenzettel heraus und strich ihn mit der Handfläche glatt. — Zweihundertvierundsiebzig Euro. Natürlich alles nur wegen der Angebote. Ein Hoch auf den Supermarkt, er hat uns gerade noch vor dem Luxus bewahrt.

— Meine Mutter hat Blutdruckprobleme. Sie darf sich nicht aufregen. Wenn sie morgen kommen und einen leeren Kühlschrank sehen, fangen sie mit Fragen an. Brauche ich das?

— Und ich brauche es, neun Tage bis zum nächsten Vorschuss von Buchweizen zu leben? Wir haben keine Kartoffeln mehr, Maximilian. Das Sonnenblumenöl ist nur noch ein Rest am Boden. Frikadellen habe ich zuletzt gesehen, als die Nachbarin von unten mit einer Tüte vom Metzger auf den Aufzug gewartet hat.

— Wir werden schon nicht sterben.

— Du sagst so leicht „wir werden nicht sterben“, weil du in der Kantine bei der Arbeit Suppe, Hauptgericht und Dessert bekommst. Ich stehe den ganzen Tag im Laden, lächle fremde Frauen an, die ein Kleid für achtzig Euro kaufen und fragen, ob es sie dick macht. Und weißt du, was ich heute gegessen habe? Weißbrot mit Mayonnaise. Nicht einmal ein belegtes Brot. Nur Weißbrot. Mit Mayonnaise. Weil die Wurst vorgestern alle war.

— Johanna, hör auf, hier ein Drama aufzuführen.

— Das hier ist kein Drama. Das Drama beginnt morgen, wenn du deine Eltern an den Tisch setzt und den erfolgreichen Hausherrn spielst. „Mama, probier den Fisch. Papa, nimm dir noch etwas Aufschnitt. Bei uns läuft alles bestens, wir leben ganz normal.“ Und danach sagst du zu mir: „Wir halten eben bis zum Gehalt durch.“ Diese Serie kenne ich inzwischen auswendig, nur werden die Folgen jedes Mal ärmlicher.

Maximilian öffnete den Kühlschrank, warf einen Blick hinein und machte ihn sofort wieder zu.

— Du bauschst das absichtlich auf.

— Nein. Ich rechne absichtlich nach. Schau her. — Johanna kippte Kleingeld und drei zerknitterte Scheine aus ihrem Portemonnaie. — Neunzehn Euro. Für uns beide. Für neun Tage. Die Nebenkosten sind nicht bezahlt, das Internet wird übermorgen abgestellt, und meine Stiefel sind an der Naht aufgeplatzt. Aber immerhin erfährt deine Mutter morgen, dass wir Mango kaufen können.

— Mama soll nicht sehen, dass es bei uns knapp ist.

— Warum nicht?

— Weil sie es nicht sehen soll.

— Ein großartiges Argument. Fast schon juristisch wasserdicht.

— Weil sie mir mein ganzes Leben lang gesagt hat: Ein Mann muss sein Zuhause im Griff haben. Verstehst du? Nicht jammern, nicht klagen, sondern halten.

— Ein Zuhause hält man nicht mit Lachs zusammen. Dafür braucht man Verstand.

— Willst du mich jetzt ganz bewusst kleinmachen?

— Was machst du denn seit zwei Jahren mit mir? Nur in einer teureren Verpackung.

Maximilian drehte sich abrupt zu ihr um.

— Ich mache dich klein? Ich arbeite, bringe Geld nach Hause, bezahle die Miete, repariere das Auto. Glaubst du, mir gefällt dieses Rechnen? Meinst du, ich sehe die Preise nicht? Ich will nur, dass meine Eltern kommen und wir ordentlich zusammensitzen.

— Ordentlich heißt: Suppe, Hähnchen, Salat, Kuchen. Ordentlich heißt, dass nach dem Besuch noch Geld zum Leben übrig bleibt. Bei dir heißt ordentlich: Der Tisch biegt sich, deine Frau kann kaum noch am Herd stehen, und danach schnuppern wir bis Monatsende an leeren Vorratsdosen.

— Ist dir etwa etwas für meine Eltern zu schade?

— Mir ist deine Angeberei zu teuer.

— Wage es nicht, so zu reden.

— Und du wage es nicht, so zu tun, als ginge es hier um Liebe zu deinen Eltern. Liebe heißt, deine Mutter anzurufen und nach ihren Untersuchungsergebnissen zu fragen. Deinen Vater zum Arzt zu fahren. Ihnen im Garten zu helfen. Nicht Garnelen auf den Tisch zu kippen und dazusitzen wie ein Denkmal für den eigenen Erfolg.

— Deine Mutter ist eben anders. Die ist an Armut gewöhnt, für sie ist schon Tee mit trockenem Gebäck ein Fest.

Johanna verstummte. In der Küche zischte der alte Kühlschrank, als wäre sogar ihm die Bemerkung peinlich.

— Wiederhol das, — sagte sie leise.

— So habe ich das nicht gemeint.

— Doch. Genau so hast du es gemeint. Meine Mutter hat natürlich keinen Käse für zwanzig Euro gekauft. Sie hat mich allein großgezogen, nach ihrer Schicht bei der Post noch Treppenhäuser geputzt. Und weißt du was? Bei uns gab es nie roten Fisch. Aber niemand zwang den anderen zu hungern, nur damit nach außen ein schönes Bild entsteht.

— Johanna …

— Fass mich nicht an.

— Morgen kommen meine Eltern. Ich will keinen Streit.

— Und ich will morgen deine festliche Peinlichkeit nicht in Würfel schneiden.

— Du wirst das Essen machen. Führ dich nicht auf wie ein Kind.

— Ich werde was?

— Kochen. Wir hatten doch ausgemacht, dass du dich um die Küche kümmerst, wenn meine Eltern kommen.

— Wir haben gar nichts ausgemacht. Du hast entschieden, und ich habe geschwiegen, weil ich dumm war.

— Jetzt übertreib nicht.

— Doch, genau jetzt ist der Moment dafür. Gestern hast du gesagt: „Mama mag Ente, mach sie ordentlich.“ Du hast nicht gebeten. Du hast nicht gefragt, ob ich überhaupt Kraft dafür habe. Du hast mir einfach eine Aufgabe hingeworfen.

— Du hast doch frei.

— Ich habe frei, weil ich sechs Tage lang auf den Beinen gearbeitet habe. Ein freier Tag ist keine unbezahlte Schicht im Restaurant zu Ehren deiner Mutter.

— Du verdrehst alles.

— Und du lackierst alles schön.

Er setzte an, etwas zu erwidern, doch in seiner Jackentasche klingelte das Handy. Auf dem Display stand: „Mama“.

— Ja, Mama. Ja, habe ich gekauft. Nein, alles in Ordnung. Johanna macht morgen alles fertig. Natürlich habe ich die Ente mitgenommen. Ja, die Torte auch. Was? Nein, mach dir keine Sorgen, wir darben nicht. Mama, fang doch nicht wieder an. Bei uns ist alles normal. Ja, ich küsse dich.

Johanna sah ihn so aufmerksam an, dass Maximilian das Telefon nicht sofort auf den Tisch legte.

— „Johanna macht morgen alles fertig“, — wiederholte sie. — Wunderschön. Und wer hat Johanna gefragt?

— Du weißt doch, dass ich ihr nicht sagen konnte, dass du nicht willst.

— Warum konntest du nicht die Wahrheit sagen? „Mama, wir können im Moment kein Festmahl auffahren. Ihr kommt, wir essen etwas Einfaches, Hausgemachtes.“ Was wäre passiert? Wäre der Himmel eingestürzt? Hätte der Bundeskanzler eine Sondersendung gehalten?

— Du kennst meine Mutter nicht.

— Oh doch, ich kenne sie. Sie kommt herein, setzt sich, mustert den Tisch, entdeckt ein Haar auf der Tischdecke, bemerkt, dass die Gurken zu dick geschnitten sind, fragt, warum ich die Gardinen nicht richte, und am Ende seufzt sie: „Maximilian, du bist mir schon ein tüchtiger Junge.“ Und du wirst den ganzen Abend leuchten wie eine Weihnachtslichterkette auf Ratenzahlung.

— Schluss, Johanna. Ich habe genug.

— Ich auch.

— Was hast du auch?

— Genug davon, Kulisse in deiner Vorstellung zu sein.

Er ging ins Zimmer. Die Tür knallte nicht, er schloss sie sogar sehr vorsichtig, aber gerade diese Behutsamkeit war schlimmer als jedes Zuschlagen.

Johanna blieb in der Küche zurück. Auf dem Tisch lagen die Tüten: Fisch, Käse, Kräuter, Beeren, eine gekühlte Ente, eine Schachtel mit Torte. Alles sah hübsch aus, teuer und fremd. Im Spülbecken stand eine Tasse mit gesprungenem Henkel, am Fenster trockneten zwei Paar Socken, und der Heizkörper knackte wie ein alter Zähler, der fremde Geduld mitzählte.

Sie nahm den Kassenzettel, faltete ihn einmal und dann noch einmal. In ihr war es plötzlich leer und ruhig. Keine Wut. Kein Schmerz. Nur irgendwo tief drinnen rastete ein Schloss ein.

Am Morgen stand Maximilian früh auf, munter und geschäftig.

— Johanna, ich muss zur Arbeit. Hör bitte genau zu. Die Ente marinierst du gleich, den Fisch schneidest du kurz bevor sie kommen, den Käse holst du eine Stunde vorher aus dem Kühlschrank, damit sich der Geschmack entfalten kann. Mach die Salate nicht zu schwer, Mama hält gerade Diät, aber in den Kartoffelsalat kommt richtige Mayonnaise, nicht dieses leichte Zeug von dir. Die Torte bitte nicht anrühren, da ist eine Aufschrift drauf. Ich bin um sechs da. Meine Eltern kommen um sieben.

— Mhm.

— Hast du verstanden?

— Habe ich.

— Und bitte nicht mit diesem Gesicht. Einen Abend lang kann man sich doch normal benehmen, oder?

— Kann man.

— Na also. Johanna, du bist doch eine kluge Frau. Ich verstehe ja, dass du müde bist, aber es sind meine Eltern. Keine Fremden.

— Natürlich.

— Wenn sie wieder weg sind, kaufe ich dir etwas. Stiefel zum Beispiel.

— Von welchem Geld?

— Das kriegen wir schon hin.

— Ihr kriegt irgendwie immer alles hin. Meistens auf meine Kosten.

— Fängst du schon wieder an?

— Nein. Ich höre auf.

— Womit hörst du auf?

— Mit diesem Gespräch.

Er zog die Stirn kraus, doch er war in Eile.

LebensKlüber