Felix Walter blieb stehen und begegnete ihrem Blick ohne jede Hast. „Nach meinem Verständnis gehört dieser Sitz mir“, sagte er ruhig, fast höflich.
Die Frau ließ ihre Augen demonstrativ über seine Kleidung wandern, als wäre allein das schon Beweis genug. Dann presste sie die Lippen zusammen. „First Class ist hier vorn“, erklärte sie gedehnt, „und Economy befindet sich weiter hinten.“ Um sie herum merkten die anderen Reisenden, dass die Stimmung kippte. Gespräche versiegten, Köpfe drehten sich, erste Smartphones wurden unauffällig angehoben. Die Luft in der Kabine schien plötzlich schwerer.
Mia Hermann, die Flugbegleiterin, trat mit einem einstudierten Lächeln näher. „Gibt es Schwierigkeiten?“, fragte sie und wandte sich dabei zunächst an die Frau.
„Allerdings“, sagte diese so laut, dass mehrere Reihen es hören konnten. „Dieser Mann hat meinen Platz besetzt.“
Felix zog wortlos seine Bordkarte hervor und reichte sie der Flugbegleiterin. „Sitz 1A“, erklärte er. „Genau dieser Platz.“
Mia warf nur einen kurzen Blick darauf, kaum länger als einen Augenaufschlag. Ihre Stimme blieb höflich, doch darunter lag Anspannung. „Sir, ich fürchte, Ihr Platz befindet sich weiter hinten.“
„Vielleicht sollten Sie die Bordkarte noch einmal gründlicher ansehen“, erwiderte Felix, ohne lauter zu werden.
Die Frau stieß ein verächtliches Schnauben aus. „In diesem Aufzug glaubst du ernsthaft, du hättest hier etwas zu suchen?“
In der dritten Reihe hielt ein Jugendlicher sein Handy höher und startete eine Liveübertragung. Binnen Sekunden tauchten die ersten Zuschauer auf, dann wurden es Hunderte, kurz darauf Tausende, die den Vorfall verfolgten.
Wenig später erschien Christian Hartmann, der leitende Supervisor. Sein Blick glitt kurz über Felix, blieb jedoch nicht an der Bordkarte hängen. „Sie halten den Abflug auf“, sagte er knapp. „Bitte nehmen Sie einen anderen Platz ein.“
„Sie haben mein Ticket nicht einmal geprüft“, entgegnete Felix.
Christian verschränkte die Arme. „Wenn Sie sich weigern, werden wir die Sicherheitskräfte bitten, Sie aus dem Flugzeug zu begleiten.“
Felix blieb äußerlich vollkommen ruhig. Innerlich jedoch registrierte er mit bitterer Klarheit, dass sich genau das bestätigte, was er befürchtet hatte: Ein Urteil war längst gefällt worden, nur wegen seines Aussehens.
Als die Sicherheitsleute eintrafen, nahm einer von ihnen, Erik Sommer, die Bordkarte entgegen und prüfte sie sorgfältig. Dann hob er den Blick. „Sitz 1A“, sagte er deutlich.
