„Ich habe heute sämtliche Zugänge gesperrt. Ab jetzt funktioniert für dich nichts mehr“ — sagte sie ruhig und sah zu, wie seine Fassungslosigkeit wuchs

Endlich frei, stark, würdevoll — ich gehöre mir.
Geschichten

…die Screenshots zu löschen und deine Freundinnen zu bitten, dasselbe zu tun. Im Moment kann ich mich nirgends blicken lassen, alle denken doch jetzt, ich sei…

— …von mir durchgefüttert? Genau das warst du. Fünf Jahre lang hast du an mir gehangen, keinen einzigen Tag gearbeitet, keinen Euro beigesteuert. Du hast nur darauf gewartet, im richtigen Moment mit dem Geld zu verschwinden. Hat nicht funktioniert.

Er sagte nichts mehr. Man hörte nur, wie er trocken schluckte.

— Ich werde gar nichts entfernen. Leb damit. So, wie ich all die Jahre damit leben musste.

Sie beendete das Gespräch und sperrte die Nummer. Dann trat sie ans Fenster. Der Regen hatte aufgehört, der Gehweg darunter glänzte feucht im Licht der Laternen.

Zwei Monate vergingen. Katharina Seidel kehrte in ihren Arbeitsalltag zurück — in den Kinderbekleidungsladen, der inzwischen zu einer kleinen Kette gewachsen war. Lieferanten, Verträge, neue Kollektionen. Nur eines fehlte: die ständigen Anrufe mit der Frage, wann sie endlich komme, und die Sorge, dass er wieder zu spät sein würde.

Eines Morgens steckte Verena Ahlers den Kopf zur Bürotür herein und legte ihr ein Telefon auf den Tisch.

— Frau Seidel, Sie haben eine private Nachricht bekommen. Entschuldigen Sie, ich habe es zufällig gesehen. Aber das sollten Sie lesen.

Ein fremdes Profil. Alena Markovic.

„Guten Tag. Waren Sie mit Dominik Reuter verheiratet? Ich bin Alena. Vor einem halben Jahr ist er ohne Erklärung verschwunden. Ich dachte lange, mit mir stimme etwas nicht. Vor Kurzem habe ich die Wahrheit erfahren — erst mich hingehalten, dann Sie, danach Marina. Da habe ich verstanden: Nicht ich war das Problem. Er ist einfach so. Danke, dass Sie mir die Augen geöffnet haben.“

Katharina tippte eine kurze Antwort:

„Gern geschehen. Passen Sie auf sich auf.“

Dann schloss sie den Chat. Alena gehörte nicht zu ihrer Geschichte.

Am Abend ging Katharina zu Fuß durch den Park nach Hause. Das Licht der Laternen lag weich auf den Wegen. Ihr Handy blieb still. Niemand verlangte Erklärungen.

Zu Hause wechselte sie die Kleidung, schenkte sich ein Glas Wasser ein und setzte sich ans Fenster. Die Stadt lebte — Lichter, Autos, Bewegung. Dominik irgendwo dort draußen. Marina. Alena. Alle gingen ihren Weg weiter.

Katharina öffnete die Schublade und nahm das silberne Armband heraus. Sie betrachtete es — abgenutzt, überflüssig. Sie stand auf, öffnete das Fenster und warf es hinaus. In der Dunkelheit klirrte es leise auf dem Stein.

Sie schloss das Fenster und setzte sich wieder.

Die Stille war vollkommen.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren — gehörte sie ihr allein.

Fortsetzung des Artikels

LebensKlüber