„allen zeigen werde, was wirklich in ihm steckt“ — versprach er am Morgen und stieg später mit hoch erhobenem Kinn aus einem schwarzen Geländewagen

Diese rätselhafte Ankunft fühlte sich beunruhigend verheißungsvoll an.
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Ein schriller, vibrierender Hupton zerschnitt die friedliche Stimmung des Freitagabends so abrupt, dass der Corgi Oskar Roth erschrocken von seinem weichen Fleece-Kissen hochfuhr und in ein heiseres, empörtes Bellen ausbrach. Julia Hermann zuckte zusammen; beinahe wäre ihr das Glas mit dem trockenen Rotwein aus der Hand geglitten. Auf dem Herd brutzelte leise die Forelle im Ofen, und der Duft von Knoblauch, Rosmarin und frischer Zitrone erfüllte die Küche mit schwerer, würziger Wärme.

Sie wartete auf Alexander Mayer. Am Morgen hatte er ihr eine rätselhafte Nachricht geschickt: Sie solle den Tisch besonders festlich decken, schrieb er, denn er habe eine Überraschung, die „allen zeigen werde, was wirklich in ihm steckt“. Julia hatte insgeheim gehofft, dass es endlich um die Schlüssel für das kleine Grundstück außerhalb der Stadt ging, auf das sie so lange gespart hatten.

Das Hupen erklang erneut – langgezogen, aufdringlich. Im Hof sprang prompt die Alarmanlage des alten Kleinwagens der Nachbarn an und kreischte hysterisch los. Julia schob die schwere Leinen-Gardine zur Seite und blickte hinaus.

Mitten im engen Innenhof stand ein gewaltiger schwarzer Geländewagen, quer über zwei Spuren, sodass der silberne Wagen der Nachbarn blockiert war. Das Fahrzeug glänzte wie poliert; der massive Kühlergrill funkelte im trüben Licht. Zwischen den grauen Wohnblöcken wirkte es wie ein Raumschiff aus einer anderen Welt. Die Fahrertür öffnete sich mit gedämpftem Klicken. Alexander stieg aus – nein, er schritt hinaus, die Schultern breit, das Kinn erhoben, und musterte die Umgebung mit dem Blick eines Mannes, der soeben ein Königreich erobert hatte. Auf der Beifahrerseite kletterte vorsichtig, den Saum ihres langen Mantels raffend, seine Mutter Sabine Roth aus dem Wagen.

Julias Handy vibrierte kurz auf dem Esstisch.

„Julia, mach bitte unten auf, ich hab meinen Schlüssel im Auto liegen lassen!“, erklang Alexanders aufgeregte Stimme. „Und stell alles Gute auf den Tisch, wir kommen hoch. Heute wird groß gefeiert!“

Langsam legte sie das Telefon mit dem Display nach unten. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in ihr aus, trüb und schwer.

Wenige Minuten später war der Flur plötzlich überfüllt. Sabine Roth betrat als Erste die Wohnung. Von ihrem feuchten Mantel ging der Geruch nach Regen und Straße aus, vermischt mit einer süßlich-intensiven Parfümwolke. Den Fußabtreter ignorierte sie vollständig und setzte ihre verschmutzten Stiefeletten direkt auf das helle Laminat.

„Hier kommen die Sieger!“, verkündete sie lautstark und ließ ihren prüfenden Blick durch den Korridor schweifen, als gehöre ihr die Wohnung.

Alexander folgte ihr dichtauf. Sein Gesicht glühte vor Aufregung, seine Augen funkelten. In der Hand drehte er unaufhörlich einen schweren Autoschlüssel mit glänzendem Anhänger. An eine Umarmung seiner Frau dachte er nicht einmal.

„Hast du das Schmuckstück gesehen?“ rief er atemlos und deutete in Richtung Fenster. „Allrad, Ledersitze, Panorama-Glasdach! Ein echtes Biest! Als ich mich reingesetzt habe, wusste ich sofort: Genau das ist es. Meins.“

Er ließ den Schlüsselbund demonstrativ auf die Glasablage neben der Tür fallen. Das Klirren hallte unnatürlich laut durch die ansonsten stille Wohnung.

Julia stand am Übergang zur Küche, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie trug schlichte Jogginghose und ein weites T-Shirt, doch in diesem Moment fühlte sie sich, während sie das gerötete, vor Stolz platzende Duo betrachtete, wie der einzige erwachsene Mensch im Raum.

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