Er sammelte die Unterlagen ein, presste sie an sich und ging zur Tür. Kurz vor dem Hinausgehen drehte er sich noch einmal um und sagte mit kalter Ruhe:
„Marlene geht es gut. Sie hat ein wunderschönes Mädchen zur Welt gebracht, gesund und stark, und dieses Kind hat bereits einen Vater. Nur bist du es nicht mehr. Weder sie noch meine Enkelin brauchen jemanden wie dich – einen Mann, der im entscheidenden Moment feige davonläuft.“
Dann fiel die Tür hinter ihr hart ins Schloss.
Sebastian Lorenz ließ sich kraftlos auf einen Stuhl sinken und vergrub das Gesicht in den Händen. Vom Flur her drang das Weinen eines Neugeborenen zu ihm – derselbe Laut, der ihm noch vor wenigen Stunden wie ein Wunder erschienen war. Jetzt schnitt er ihm wie blanker Hohn ins Herz.
Einige Wochen später meldete sich die Klinik: Eine offene Rechnung von über 900.000 € müsse beglichen werden. Emilia Weiß war spurlos verschwunden. Die Wohnung, die er für sie gekauft hatte, wurde gesperrt, die Konten waren leer, und sein mühsam gepflegter Stolz zerbröselte zu Staub.
Währenddessen erholte sich Marlene in einer Kleinstadt in Deutschland langsam. Das milde Nachmittagslicht legte einen goldenen Schimmer über die Felder, während Christina Krüger schweigend zusah, wie ihre Tochter das Baby sanft wiegte.
„Siehst du, mein Kind“, sagte sie leise, „das Leben sorgt am Ende immer für Ausgleich. Dir hat es Liebe geschenkt – ihm bleibt nur die Schuld.“
Marlene küsste ihre Tochter auf die Stirn, lächelte unter Tränen und atmete tief durch. Der Wind rauschte weich durch die Bäume, und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie sich wirklich frei.
