„Im Wäschekorb, Schatz“, antwortete ich ruhig, ohne den Blick von den Zeilen zu heben.
— Im Wäschekorb? — Seine Stimme überschlug sich. — Ich habe das Hemd gestern einfach ausgezogen! Warum ist das nicht gewaschen?
Ich blätterte seelenruhig um.
— Tja, ich bin doch angeblich eine Nichtsnutzin. Da fehlt mir leider die Motivation, Knöpfe zu drücken. Auch wenn das natürlich kein Zementsackschleppen ist, ermüdet es ungemein.
Daniel Krüger stürmte in die Küche, als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.
— Willst du mich veräppeln? Ich habe heute ein wichtiges Meeting!
— Zieh doch das weiße Hemd an.
— Das weiße ist nicht gebügelt!
— Bügeleisen im Schrank, Brett hinter der Tür. Viel Erfolg.
Er starrte mich an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, barfuß zur Arbeit zu laufen.
— Du meinst das ernst? Und was ist mit Frühstück?
— Für mich und Jonas habe ich gekocht. Du kannst in der Kantine essen. Du verdienst schließlich Geld, das sollte drin sein.
— Ach so läuft das? — Er kniff die Augen zusammen. — Gut. Wenn du so konsequent bist …
Er griff nach seinem Handy, öffnete die Banking-App.
— Ich sperre deine Zusatzkarte. Für Lebensmittel gibt es ab jetzt kein Geld mehr. Wenn du deine „Pflichten“ nicht erfüllst, werde ich dich auch nicht weiter finanzieren. Leb von deinen dreißigtausend Euro, dann sehen wir mal, wie lange du singst.
— In Ordnung, — sagte ich und zuckte mit den Schultern. — Dann lebe ich eben von meinem Geld.
Er zog das zerknitterte Hemd an, knotete den Schlips schief, knallte die Tür hinter sich zu und verschwand.
Abends kam er hungrig zurück.
— Was gibt’s zu essen?
— Für Jonas und mich: Buchweizen mit Hähnchen. Für dich: das, was du besorgt hast.
— Ich habe nichts gekauft! Dafür bist doch du zuständig!
— Wovon denn? Du hast die Karte gesperrt. Und mein Geld ist mein Geld. Ich habe genau dafür eingekauft: für mich und das Kind.
— Du lässt deinen Mann verhungern?!
— Nein. Ich ernähre einfach keine Schmarotzer. Du hast doch selbst gesagt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Ich arbeite angeblich nicht im Haushalt — also ernährst du mich nicht. Du kaufst mir nichts — also kaufe ich dir nichts. Logisch, oder?
Daniel riss den Kühlschrank auf. Drinnen standen meine Boxen, ordentlich mit Filzstift beschriftet: „LEA“, „JONAS“.
Er griff nach einer.
— Lass das, — sagte ich ruhig. — Das ist für morgen. Wenn du es isst, koche ich nichts Neues.
Fluchend holte er uralte Tiefkühlpelmeni aus dem Gefrierfach, die dort seit Monaten lagen. Er kochte sie, ließ den Topf natürlich ungewaschen stehen.
Der Kleinkrieg ging in den Stellungskrieg über.
Am Freitag stand diese Firmenfeier an. Daniel machte sich fast zwei Stunden fertig, bügelte den Anzug, tränkte sich mit Parfum.
— Bist du so weit? — rief er.
Ich kam heraus: alte Jeans, verwaschener Pullover, ungeschminkt, die Haare zu einem simplen Zopf gebunden.
— Du willst so gehen?! — Sein Augenlid zuckte nervös.
— Klar. Du hast doch gesagt, Geld für ein Kleid gibt es nicht, für den Salon auch nicht. Und das blaue Kleid hat Mottenfraß. Also gehe ich eben so.
— Du blamierst mich! Da sind die Ehefrauen der Gesellschafter, alle mit Diamanten!
— Dann haben sie wohl großzügige Männer. Ich bin eben die Frau eines Managers, der jeden Cent umdreht. Sollen sie ruhig die Wahrheit sehen.
— Du bleibst zu Hause! — brüllte er.
— Sehr gern, — sagte ich und schlüpfte aus den Turnschuhen. — Viel Spaß, Liebling.
Er ging allein, wütend bis aufs Blut.
Gegen Morgen kam er zurück, betrunken.
— Alle haben gefragt, wo du bist, — jammerte er und zog die Schuhe aus. — Ich musste lügen und sagen, du seist krank. Alles deinetwegen!
— Du Arme, — sagte ich trocken. — Schlaf auf dem Sofa. Im Schlafzimmer stinkt es nach Alkohol, das halte ich nicht aus.
Am Samstagvormittag klingelte das Telefon. Monika Brandt.
— Lea! — Ihre Stimme vibrierte. — Daniel hat mich angerufen! Beschwert sich! Sagt, du lässt ihn hungern, wäschst keine Hemden, bist nicht zur Feier gegangen! Hast du völlig den Verstand verloren?
— Monika Brandt, kommen Sie vorbei, — erwiderte ich gelassen. — Sehen Sie es sich selbst an.
— Das werde ich! Sofort! Hier herrscht offenbar Chaos, das ich beseitigen muss!
Eine Stunde später stand sie vor der Tür, mit Taschen bewaffnet, Frikadellen für ihren Sohn im Gepäck. Sie trat ein — und erstarrte.
Ein beißender Geruch schlug ihr entgegen. Der Müll war seit vier Tagen nicht rausgebracht worden, der Deckel stand offen, es stank nach Verwesung. In der Spüle türmte sich Geschirr: Teller mit eingetrocknetem Ketchup, ein Topf mit festgeklebten Pelmeni, Tassen mit Schimmelrand. Im Flur lagen Schmutzklumpen von Daniels Schuhen.
Und ich saß im Sessel, mit einer Gesichtsmaske, vollkommen entspannt, während sie schweigend das Chaos betrachtete.
