«Ab heute mache ich offiziell gar nichts mehr, so wie du es sagst.» — erklärte sie kühl und begann den Streik

Unverschämter Anspruch trifft bewundernswerte, stille Rebellion.
Geschichten

— Du bist eine Schmarotzerin, völlig nutzlos! — mein Mann ließ meine Karte sperren und verlangte ein perfektes Zuhause, selbstverständlich gratis. Ich lächelte nur und erklärte den Streik. Vier Tage später marschierte er im verdreckten Anzug zum Chef, und daheim wartete bereits seine Mutter mit einem Gürtel auf ihn …

Ich stand am Fenster und beobachtete, wie Daniel Krüger seinen Ford abstellte. Natürlich quer, breitbeinig, halb auf dem Grünstreifen, als gehöre ihm alles. Genau so nahm er auch in unserer Wohnung Raum ein: ohne Rücksicht, ohne Blick für andere.

Drinnen lag der Duft von frisch gebackenem Kohlkuchen in der Luft, alles glänzte vor Sauberkeit. Drei Stunden hatte ich geputzt, Wäscheberge gebügelt und auf dem Markt extra Bauernquark besorgt. Er liebte Quarkpfannkuchen zum Frühstück. Ich hatte mir Mühe gegeben, die vorbildliche Ehefrau zu sein.

Daniel kam herein, schleuderte den Schlüssel auf die Kommode und ließ die Schuhe mitten im Flur fallen. Eine schmutzige Spur zog sich über den Boden.

— Na, — brummte er, ohne aufzusehen. — Gibt’s was zu essen?

— Hallo, Daniel. Wasch dir erst die Hände, das Abendessen steht bereit.

Er stapfte in die Küche, ein scheppernder Topfdeckel verriet seine Laune.

— Schon wieder Kohl? — kam es ungehalten zurück. — Ich hatte Lust auf Fleisch. Steak. Was hast du eigentlich den ganzen Tag gemacht?

— Gestern gab es Steak, heute eben Kuchen, Salat und Suppe.

— Salat ist Kaninchenfutter. Ich bin ein Mann, ich brauche Kalorien. Ich schufte wie ein Ochse, bringe Geld nach Hause! Und du sitzt hier rum und starrst die Decke an. War es zu viel verlangt, ein Stück Fleisch in die Pfanne zu hauen?

„Du sitzt hier rum.“

Ich arbeitete im Homeoffice, führte die Buchhaltung für zwei kleine Betriebe und kam auf knapp dreihundert Euro im Monat. Nicht viel, aber genug für Nebenkosten, Lebensmittel und die Kurse unseres Kindes. Für Daniel war das jedoch nur „Taschengeld“. Wer zu Hause arbeitet, gilt offenbar als Hauspersonal.

— Übrigens, — er kaute und sprach mit vollem Mund, — am Freitag ist Firmenjubiläum. Der Chef will, dass wir mit Partnerinnen kommen. Dresscode: Cocktail.

— In Ordnung, — sagte ich ruhig. — Dann brauche ich ein neues Kleid und einen Termin beim Friseur.

— Wieso neu? — Daniels Stirn legte sich in Falten. — Du hast doch das blaue im Schrank.

— Das ist fünf Jahre alt. Darin war ich auf der Hochzeit deiner Schwester.

— Na und? Geht doch noch. Wir haben genug Ausgaben: Hypothek, Autokredit. Zieh das Blaue an und frisiere dich selbst, das kannst du doch.

— Also soll ich repräsentieren, aber investieren willst du nichts?

— Lea Hartmann, hör auf zu nerven! Ich habe gesagt, es ist kein Geld da. Du lebst ohnehin auf meine Kosten. Thema erledigt.

Plötzlich verstummte er. Sein Blick blieb an der Spüle hängen.

Dort stand eine einzige Kaffeetasse. Ich hatte sie fünf Minuten zuvor benutzt, dann klingelte das Telefon — ein Auftraggeber — und ich kam nicht mehr dazu, sie abzuwaschen.

— Was soll das? — Er deutete mit der Gabel darauf.

— Eine Tasse.

— Das sehe ich. Warum ist sie dreckig?

— Ich bin nicht dazu gekommen.

— Nicht dazu gekommen?! — Er explodierte, rote Flecken schossen ihm ins Gesicht. — Du bist den ganzen Tag zu Hause! Deine Aufgabe ist Ordnung! Und ich komme in ein Chaos! Geschirr in der Spüle, kein richtiges Essen! Schmarotzerin! Du kostest nur Geld! Knöpfe an der Waschmaschine drücken ist ja wohl kein Kisten schleppen!

Ich sah ihn an. Die Krümel, die aus seinem Mund fielen. Den frischen Soßenfleck, den er gerade auf die Tischdecke gesetzt hatte.

Verletzung? Nein. Die war vor einem Jahr. Jetzt war da nur Müdigkeit — und Wut.

Ich lächelte.

— Du hast recht, Daniel.

Er stockte.

— Wie bitte?

— Du hast recht. Ich mache tatsächlich nichts Bedeutendes. Knöpfe drücken ist Kinderkram. Also warum sollte ich mich anstrengen? Ab heute mache ich offiziell gar nichts mehr, so wie du es sagst.

— Ach, hör auf mit dem Theater, — winkte er ab. — Wir werden ja sehen, wie lange du das durchhältst. Wasch die Tasse.

Ich nahm die Tasse, stellte sie in die Spülmaschine und drückte nicht „Start“, sondern „Aus“.

Der Streik begann.

Am nächsten Morgen rannte Daniel in Unterhose durch die Wohnung.

— Lea! Wo ist mein Hemd?! Das hellblaue!

Ich saß am Küchentisch und las. Vor mir stand mein Teller mit Haferbrei, daneben der unseres Sohnes Jonas Krüger, der gleich frühstücken sollte, während ich gelassen eine Seite nach der anderen umblätterte.

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