„Lena, dein Urlaub ist gestrichen“ verkündete Markus siegessicher beim Abendessen und lehnte sich mit selbstzufriedener Miene zurück, während Lena nur ruhig lächelte

Sein Verhalten war kleinlich, ihr Lächeln bewundernswert.
Geschichten

Vom Schminktisch waren sämtliche Flakons und Cremetiegel verschwunden, sogar der neue Badeanzug, den Lena erst vor Kurzem für den Sommerurlaub gekauft hatte, war nicht mehr da.

Es wirkte, als hätte es sie in dieser Wohnung nie gegeben.

Am nächsten Morgen ploppte eine Nachricht auf seinem Handy auf.

„Leb wohl, Vovcsik. Wenn du mir kein Meer bieten kannst, dann sorge ich eben selbst dafür – schließlich bin ich eine attraktive Frau. Sei nicht traurig. Und trink nicht so viel, nüchtern bist du nämlich auch kein Geschenk. Lena.“

Darunter ein Foto. Lena stand vor türkisblauem Wasser, ein breitkrempiger Sonnenhut beschattete ihr Gesicht, das Kleid kurz und gewagt ausgeschnitten. In der Hand hielt sie einen Cocktail. Neben ihr ein großer Mann mit Bart, geschniegelt in einem weißen Hemd. Beide lächelten einander an, dieses vertraute, verliebte Strahlen im Blick.

Markus starrte auf das Display, als hätte es ihn beleidigt. Was sollte das heißen? War sie tatsächlich mit irgendeinem Kerl durchgebrannt? Und was wurde nun aus ihrem Haus, aus dem gemeinsamen Alltag, aus der Ehe, die doch mit Stempel und Unterschrift besiegelt war?

Drei Tage lang verließ er die Wohnung nicht. Erst kaufte er Bier, dann härtere Sachen, schließlich irgendetwas Dunkles in einer Plastikflasche – was genau, wusste er später selbst nicht mehr. Der Fernseher lief ohne Ton, flackerte nur sinnlos vor sich hin. Die einzige Unterbrechung der bleiernen Stille war das klägliche Maunzen der Katze, die sich notdürftig von dem ernährte, was sie vom Tisch stibitzen konnte, während ihr Besitzer benommen auf dem Sofa lag.

Lena war fort. Wie ausgelöscht.

Am siebten Tag kehrte Andrea Lehmann aus dem Urlaub zurück – sonnengebräunt, geschniegelt, mit übergroßer Sonnenbrille und einem Kühlschrankmagneten in Form eines Kamels in der Hand.

„Mein Junge, ich bin wieder da!“, rief sie fröhlich. „Du glaubst gar nicht, wie herrlich es war! Das Wasser glasklar, das Essen besser als in jedem Restaurant. Gut, ich habe zu viele Trauben erwischt und lag einen Tag flach, aber das Zimmer! Der Blick direkt auf den Pool – traumhaft. Sag mal, wo ist eigentlich unsere Lena?“

Markus saß im Sessel, unrasiert, aufgedunsen, nur in Unterhose und ausgeleiertem Unterhemd. Vor ihm eine leere Flasche und ein Teller mit kalten Nudeln.

„Lena… ist am Meer“, krächzte er. „Mit einem Liebhaber. Einen Tag nach deiner Abreise war sie weg. Sie hat geschrieben, ich hätte ihr kein Meer geboten. Dann schickte sie dieses Foto. Sie hängt an so einem bärtigen Typen, Cocktail in der Hand.“

Andrea erstarrte. Für einen Moment brachte sie kein Wort heraus, dann explodierte sie förmlich.

„Was soll das denn heißen? Spinnst du? Und du sitzt hier einfach herum und lässt deine Frau davonlaufen? Nennst du dich Mann? Wer ist dieser Bartträger überhaupt? Wo steckt dieser Kerl jetzt?“

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