…konsequent Geld zur Seite gelegt.
Für die Eigentumswohnung eurer Tochter war die Summe gedacht – als solide Basis für die erste Rate. Da hätte sich inzwischen ein ansehnlicher Betrag ansammeln müssen.
Sebastian erstarrte. Der Bissen blieb ihm im Hals stecken, sein Gesicht verlor jede Farbe und wirkte fahl wie ungebleichte Wandfarbe.
„Also… Sandra meinte, du hättest empfohlen, das Geld über deine Firma in einen Investmentfonds einzuzahlen“, brachte er stockend hervor und sah Julia unsicher an. „Sie sagte, unter deiner Aufsicht würde sich der Betrag innerhalb eines Jahres verdoppeln.“
Langsam wandte Julia den Kopf in Richtung Sandra Lorenz. Für einen Sekundenbruchteil huschte Panik über deren Gesicht, doch sofort setzte sie ein süßliches Lächeln auf.
„Jule, ich wollte ihn doch nur nicht unnötig beunruhigen. Du kennst Männer – bei Finanzen geraten sie doch gleich in Alarmstimmung…“
„Ich habe zu keinem Zeitpunkt euer Geld verwaltet, Sandra“, entgegnete Julia ruhig, jedes Wort klar akzentuiert. „Und ich habe auch niemals zu solch einer Anlage geraten.“
Die Luft im Restaurant schien mit einem Mal schwer zu werden. Das Stimmengewirr der anderen Gäste verwandelte sich in ein dumpfes Rauschen. Julia hob lediglich die Hand, und ein junger Kellner in dunkler Weste trat an den Tisch. In seinen Armen trug er keinen schmalen Rechnungsstreifen, sondern einen dicken Ordner mit durchsichtigen Hüllen.
„Ihre heutige Rechnung beläuft sich auf einundsechzigtausendvierhundert Euro“, erklärte er sachlich. „Hinzu kommen die Unterlagen, um die Sie gebeten hatten, Frau Huber.“
„Legen Sie alles hier in die Mitte.“ Julia deutete auf die Tischplatte. „Sandra, du hast vorhin ausführlich erläutert, was ich dir angeblich aus alter Freundschaft schulde. Du nanntest mich gefühlskalt und geizig. Ich denke, es ist an der Zeit, unsere Bilanz offen auf den Tisch zu legen.“
Sie schlug den Ordner auf. Gleich auf der ersten Seite befanden sich Kontoauszüge, auf denen mehrere Beträge mit Leuchtmarker hervorgehoben waren.
„Sebastian, sieh genau hin. Das hier sind keine Fondsanteile. Das sind Überweisungen von deinem Konto auf Sandras Karte – und noch am selben Tag weitergeleitet an Boutiquen für Designermode und exklusive Kosmetikstudios. Und hier“, sie blätterte weiter, „findest du eine Aufstellung meiner privaten Ausgaben für deine Frau in den vergangenen zwei Jahren. Erkennst du die Summen?“
Sebastian nahm die Blätter entgegen. Seine Hände zitterten so stark, dass das Papier in ihnen trocken und unheilvoll raschelte.
