„Nimm dein missratenes Gör und verschwinde! Dieses Haus hat mir mein Sohn geschenkt!“ kreischte Antonia Engel schrill durch den Flur

Diese arrogante Einmischung fühlt sich unverzeihlich an.
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„Gut, Antonia Engel. Dann gehen wir eben.“

„Genau so!“, triumphierte die Schwiegermutter lautstark. „Verschwinde endlich und häng dich woanders an jemanden dran! Such dir einen neuen Dummen, der dich und deinen Rotzlöffel durchfüttert!“

„Mama, es reicht!“, versuchte Lukas Schubert einzulenken, doch seine Worte verpufften wirkungslos.

„Sei still!“, fuhr sie ihn an. „Bist du blind? Merkst du nicht, wie sie dich manipuliert? Sie hat sich mit ihrem Bastard bei dir eingenistet und mir mein eigenes Haus genommen!“

„Ich bin kein Bastard!“

Die dünne, zitternde Stimme kam aus dem Flur. Alle Köpfe fuhren herum. Felix Krause stand im Türrahmen, die kleinen Hände zu Fäusten geballt. Sein Gesicht war gerötet, Tränen glänzten in seinen Augen.

„Du bist gemein! Eine böse Oma! Ich hasse dich!“

Antonia Engel schnappte empört nach Luft. „Was hast du gesagt? Wie kannst du es wagen, so mit mir zu sprechen – in meinem Haus? Dir werd ich—“

Sie machte einen Schritt auf den Jungen zu, doch Sophie Lorenz stellte sich schützend vor ihren Sohn.

„Sie fassen ihn nicht an.“

„Dein Sohn? Was bist du denn hier? Niemand! Eine Zugelaufene! Du bist doch mit deinem Kind von einer Mietwohnung in die nächste gezogen, bis mein leichtgläubiger Sohn euch aufgenommen hat!“

Lukas saß noch immer am Tisch, den Blick starr auf seinen Teller gerichtet. Kein Wort, kein Widerspruch. Sophie sah ihn an, wartete auf ein Zeichen von Rückhalt – vergeblich. Sein Schweigen sagte mehr als jede Beleidigung.

„Felix, geh bitte in dein Zimmer“, sagte sie ruhig. „Pack deine liebsten Spielsachen in deinen Rucksack.“

„Mama… ziehen wir weg?“, fragte er schluchzend.

„Ja, mein Schatz. Wir fahren zu Oma und Opa.“

Der Junge nickte tapfer und verschwand. Antonia Engel schnaubte zufrieden.

„Endlich! Und wage es ja nicht, etwas von meinen Sachen mitzunehmen! Alles hier gehört mir!“

Ohne zu antworten ging Sophie ins Schlafzimmer. Vom Schrank nahm sie zwei Koffer herunter – ihren eigenen und den ihres Sohnes. Mit bedachten, kontrollierten Bewegungen begann sie, Kleidung zusammenzulegen. Erst ihre, dann die des Kindes. Antonia stand in der Tür wie ein Wachhund.

„Das Kleid hast du hier gekauft! Das bleibt da!“

„Dieses Kleid hatte ich schon vor drei Jahren“, entgegnete Sophie gelassen und packte weiter.

„Lukas! Sag ihr, dass sie lügt!“

Doch er kam nicht.

Sophie öffnete die Kommode, nahm ihre Dokumente heraus, ebenso die von Felix, dazu das Sparbuch und eine kleine Schmuckschatulle, ein Erbstück ihrer Mutter. Sorgfältig verstaute sie alles in einer separaten Tasche.

„Was ist das? Zeig her!“ Antonia versuchte, danach zu greifen.

„Das sind meine Unterlagen und die meines Sohnes. Rühren Sie sie nicht an.“

Im Kinderzimmer saß Felix auf dem Bett und drückte seinen Teddybären an sich.

„Kommen wir nie wieder zurück?“, fragte er leise.

„Das weiß ich noch nicht“, antwortete Sophie ehrlich. „Wir werden sehen.“

Sie sammelte seine Kleidung ein, die Schulhefte, Bücher und auch die Zeichenblöcke, die er so liebte. Hinter ihr lief Antonia unablässig her und murmelte Drohungen.

„Nimm ja nichts mit, was mir gehört! Ich rufe die Polizei! Diebstahl ist das!“

Sophie drehte sich zu ihr um. „Wissen Sie was? Ich hole die Nachbarn dazu. Christina Vogel und Thomas Schubert sollen bezeugen, was ich mitnehme. Dann können Sie später nicht behaupten, ich hätte etwas gestohlen.“

„Bitte sehr! Hol doch gleich die ganze Straße!“

Sophie trat in den Garten. Nebenan goss Christina Vogel gerade ihre Beete.

„Frau Vogel, hätten Sie einen Moment?“

Die Nachbarin kam näher an den Zaun. „Was ist denn los, Sophie? Du siehst ja kreidebleich aus.“

„Felix und ich ziehen aus. Für immer. Würden Sie und Ihr Mann bitte kurz mitkommen und ansehen, was ich einpacke? Ich möchte nicht, dass man mir später etwas unterstellt.“

Christina riss erschrocken die Augen auf. „Ist es wirklich so weit gekommen? Natürlich, ich hole sofort Thomas.“

Wenige Minuten später standen beide im Flur. Antonia Engel funkelte sie wütend an.

„Was soll das? Wollt ihr hier eine Show veranstalten?“

„Wir sind lediglich als Zeugen hier“, erklärte Thomas ruhig. „Damit klar ist, dass Sophie Lorenz ausschließlich persönliche Dinge mitnimmt.“

In ihrer Anwesenheit ging Sophie noch einmal durch alle Räume und zeigte offen, was sie einpackte: zwei Koffer mit Kleidung, eine Tasche mit Dokumenten, einen Rucksack mit Spielzeug, einige Bücher und Schulhefte.

„Mehr ist es nicht“, sagte sie sachlich. „Möbel, Geschirr, Elektrogeräte – alles bleibt hier.“

„So gehört sich das auch!“, zischte Antonia. „Meine Sachen bleiben gefälligst hier!“

Christina Vogel schüttelte langsam den Kopf und sah Antonia Engel fassungslos an.

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