… kleinlichen, geizigen Mann habe ich großgezogen. Und es zerreißt mir das Herz, das auszusprechen.“
Damit verließen sie die Wohnung. Florian Krüger blieb wie angewurzelt im Wohnzimmer stehen. Kein Laut, keine Bewegung. Auf dem Tisch wurde die Pizza kalt, das Sprudeln der Limonade war längst verklungen.
Ich erhob mich, nahm meinen Laptop und trat zu ihm. Mit ein paar Klicks öffnete ich die Tabelle, die ich seit Jahren führte, und drehte den Bildschirm in seine Richtung.
„Sieh es dir an. Neun Jahre. Jede einzelne Quittung, jede Überweisung. Strom, Wasser, Heizung – fast immer von meinem Konto. Benzin. Wocheneinkäufe. Geburtstagsgeschenke für deine Familie. Urlaube. Deine Krankenversicherung. Alles, was für dich selbstverständlich war. Unten steht die Gesamtsumme.“
Florian starrte auf die Zahlenkolonne. Sein Gesicht verlor an Farbe.
„Das… das kann nicht stimmen.“
„Doch. Genau so ist es. Nicht du hast mich versorgt, Florian. Du hast von meinem Einkommen gelebt – und es Partnerschaft genannt. Ich habe dir Bequemlichkeit ermöglicht, und du meintest, mir Vorträge über Fairness halten zu dürfen.“
Ich klappte den Laptop zu.
„Ich habe bereits eine Wohnung gemietet. Morgen ziehe ich aus. Die Scheidung reiche ich kommende Woche ein. Die Eigentumswohnung, den Kredit und dein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl darfst du behalten. Ich brauche nichts davon.“
„Anna, bitte, warte…“
„Nein. Du hast doch bekommen, was du wolltest. Ab jetzt geht wirklich jeder seinen eigenen Weg.“
Er öffnete den Mund, brachte jedoch keinen Ton hervor. Zwischen Pizzakarton und Couchtisch blieb er stehen, während ich im Schlafzimmer begann, meine Sachen zusammenzupacken.
Meine Lieblingspfanne wanderte in den Koffer – dieselbe, in der ich ihm unzählige Steaks gebraten hatte. Künftig koche ich darin nur noch für mich. Dazu kamen meine Kosmetik, meine Bücher, die Kleider, die er stets als zu auffällig kritisiert hatte.
Florian betrat das Schlafzimmer kein einziges Mal. Er verharrte in der Küche – allein mit seinen Prinzipien.
Und mir wurde klar: Freiheit beginnt in dem Moment, in dem die Haustür hinter dir ins Schloss fällt und du dorthin gehst, wo du dich nicht rechtfertigen musst. Wo niemand deinen Beitrag kleinredet. Wo du einfach sein darfst. Ohne Forderungen. Ohne Erklärungen. Einfach leben.
Mit dem Koffer in der Hand verließ ich die Wohnung.
Ich sah nicht zurück.
