„Dann iss eben getrennt!“ – erklärte mein Mann mit Nachdruck

Diese verdiente Wut schmeckt ungewohnt befreiend.
Geschichten

Greta Schubert trat an den Esstisch – und blieb abrupt stehen.

Auf der Tischplatte stapelten sich drei Pizzakartons, daneben ein paar Flaschen Limonade. Ein paar Papierservietten lagen achtlos verstreut. Kein Geschirr, keine Kerzen, nichts Warmes. Nur das.

„Was soll das sein?“ Ihre Stimme war gedämpft, doch jede Silbe traf wie ein Schlag.

Florian Krüger verzog den Mund zu einem unsicheren Lächeln.
„Mama, wir dachten… wir machen es uns heute mal unkompliziert…“

„Und wo ist Anna? Weshalb sitzt sie nicht hier bei uns?“

Ich hob ruhig den Blick von meinem Buch.
„Ich bin hier, Greta Schubert.“

„Geht es dir nicht gut?“ In ihrem Ton lag keinerlei Fürsorge. Eher prüfendes Misstrauen.

„Doch. Florian meinte nur, jeder müsse für sich selbst Verantwortung tragen. Ihr Sohn ist also Ihre Angelegenheit – nicht meine.“

Langsam ließ sich Greta auf einen Stuhl sinken. Ihr Blick glitt über die Kartons, dann zu Florian.

„Erklär mir das.“

Er begann hastig zu reden – von Fairness, von modernen Partnerschaften, von seinem Freund Sebastian Böhm und dessen Ansichten. Greta hörte schweigend zu, ihr Gesicht blieb hart wie Stein.

„Du glaubst also, sie würde dich ausnutzen?“ sagte sie schließlich leise. „Du?“

„Ich wollte doch nur Ehrlichkeit—“

„Sei still.“ Ihre Hand schnitt durch die Luft. „Wer hat neun Jahre lang die Einkäufe erledigt? Wer stand jeden Samstag in der Küche, während du vor dem Fernseher gesessen hast? Wer hat im vergangenen Jahr die Medikamente für deinen Vater besorgt?“

„Na ja… Anna, aber—“

„Wer hat das Geburtstagsgeschenk für meine Schwester bezahlt? Wer hat den Tisch immer so gedeckt, dass wir uns willkommen fühlten? Und was hast du getan? Du bist hereingekommen, hast dich hingesetzt und dich bedienen lassen.“

Florians Gesicht verlor jede Farbe.

„Das hat doch damit nichts zu tun! Ich zahle schließlich den Kredit für die Wohnung!“

„Deinen eigenen Kredit!“ Ihre Stimme wurde schärfer. „Seit neun Jahren hältst du ihr das vor, als würde sie hier mietfrei leben!“

Greta Schubert stand auf, griff nach ihrer Handtasche.
„Wir gehen“, sagte sie zu ihrem Mann. „Ich werde keine Pizza essen. Und schon gar nicht an einem Tisch sitzen, an dem meine Schwiegertochter herabgesetzt wird.“

Dann wandte sie sich noch einmal ihrem Sohn zu.

„Du solltest dich schämen. Neun Jahre lang hat sie dieses Zuhause zusammengehalten, und du hast es als selbstverständlich betrachtet. Einen…“

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