«Ich lasse mich nicht ausnutzen» — sagte sie ruhig, doch unnachgiebig

Ihre unnachgiebige Entschlossenheit entlarvt schamlose Heuchelei.
Geschichten

…werde ich ihre Karte sperren lassen. Und deine gleich mit.

— Du… das kannst du doch nicht einfach tun …

— Doch. Sehr wohl. Das Konto läuft auf meinen Namen. Ich erwirtschafte das Geld. Und folglich entscheide ich, wer Zugriff darauf bekommt und wofür es verwendet wird.

Konrad Stein stand wie versteinert da, den Mund halb geöffnet, unfähig zu reagieren. Karoline Bauer beobachtete ihn genau. In seinem Blick tobte ein stiller Kampf: verletzter Stolz, Kränkung, Wut – und schließlich, unübersehbar, ein langsames Begreifen. Zäh und schmerzhaft, aber unumkehrbar erkannte er, dass sie recht hatte.

— Antonia Roth hat uns belogen — fuhr Karoline nun mit gedämpfter Stimme fort. — Dich, mich und auch deine Mutter. Das Geld ist nie dort gelandet, wo es hin sollte. Und statt das einzugestehen, hast du mich angegriffen. Konrad, ich steige aus diesem Schauspiel aus. Endgültig.

— Ich … — Er fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht. — Ich wusste es nicht.

— Du hättest es gewusst, wenn du mir von Anfang an zugehört hättest.

Er ließ sich schwer auf das Sofa sinken, die Schultern nach vorne gefallen, den Kopf gesenkt. Karoline blieb stehen und blickte auf ihn hinab. Kein Triumph, keine Genugtuung. Nur eine tiefe, lähmende Erschöpfung.

— Was soll ich jetzt tun? — fragte er schließlich, gebrochen.

— Ruf deine Schwester an. Sag ihr, dass es vorbei ist. Dass sie sich bei eurer Mutter entschuldigen muss. Und dass sie sich eine echte Arbeit suchen soll — nicht nur so tun, als würde sie es versuchen.

— Und wenn sie sich weigert?

— Dann ist das ihre Entscheidung. Aber wir machen bei diesem Zirkus nicht länger mit.

Konrad nickte stumm, ohne aufzusehen. Karoline atmete leise aus, ging in die Küche und setzte Wasser für Tee auf. Ihre Hände zitterten leicht; die Nachwirkungen der Auseinandersetzung saßen noch tief. Doch in ihrem Inneren breitete sich etwas Neues aus: Ruhe. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit.

Am Abend rief Konrad Antonia an. Karoline lauschte nicht bewusst, saß im Nebenzimmer, doch einzelne Wortfetzen drangen zu ihr durch.

— Nein, Antonia, so geht das nicht mehr … Weil du gelogen hast … Ja, Mama hat es mir gesagt … Nein, Karoline trägt keine Schuld, das ist allein deine … Ich will darüber nicht weiter diskutieren. Das Gespräch ist beendet.

Er legte auf und kam zu ihr. Setzte sich ihr gegenüber. Nach einer langen Pause sagte er leise:

— Sie hat mich einen Verräter genannt. Meinte, ich hätte meine Frau gegen die Familie ausgespielt.

— Ich bin deine Familie — entgegnete Karoline ruhig. — Unser Sohn ist deine Familie. Antonia ist erwachsen und muss endlich für ihr Handeln geradestehen.

Konrad nickte langsam.

— Es tut mir leid — sagte er. — Dass ich dir nicht sofort geglaubt habe. Dass ich laut geworden bin.

— Ich nehme deine Entschuldigung an. — Sie schloss ihre Hand um seine. — Aber vergiss dieses Gefühl nicht. Präge dir ein, wie es sich anfühlt, wenn jemand, der eigentlich an deiner Seite stehen sollte, plötzlich gegen dich arbeitet.

Er zog die Finger zusammen.

— Ich werde es nicht vergessen.

Zwei Wochen vergingen. Antonia entschuldigte sich weder bei Karoline noch bei ihrer Mutter. Dafür fand sie — erstaunlich schnell — eine Anstellung. Offenbar wächst die Motivation sprunghaft, sobald das mühelose Geld versiegt.

Dorothea Ludwig rief Karoline an, um sich zu bedanken, weil sie ihr die Augen geöffnet hatte.

— Weißt du, Karolinchen, ich habe mir immer eingeredet, ich verwöhne sie nur aus Mutterliebe. Jetzt sehe ich, dass ich in Wahrheit einen Schmarotzer großgezogen habe.

— Es ist nie zu spät, etwas zu ändern — antwortete Karoline sanft.

Eines Abends, als sie bereits im Bett lagen, legte Konrad den Arm um sie und flüsterte:

— Danke, dass du nicht zugelassen hast, dass ich zu einem willenlosen Mitläufer werde.

— Ich werde immer an deiner Seite sein — erwiderte sie. — Aber nur, wenn du auch an meiner bleibst.

Er küsste sie an die Schläfe.

— Das verspreche ich.

Und Karoline glaubte ihm. Denn manchmal braucht ein Mensch eine harte Lektion, um zu erkennen, was wirklich zählt. Konrad hatte sie erhalten. Und es sah so aus, als hätte er sie verstanden.

Antonias Karte blieb gesperrt. Für immer.

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