«Ich lasse mich nicht ausnutzen» — sagte sie ruhig, doch unnachgiebig

Ihre unnachgiebige Entschlossenheit entlarvt schamlose Heuchelei.
Geschichten

Das Lokal gehörte eindeutig nicht zu den günstigen Adressen der Stadt. Die Rechnung begann pro Person bei rund dreißig Euro, eher mehr als weniger. Man kam hierher, wenn es etwas zu feiern gab oder wenn man Geschäftliches in entsprechendem Rahmen besprechen wollte.

In genau diesem Moment, als Karoline an einem weiter hinten gelegenen Tisch mit großer Fensterfront vorbeiging, erreichte sie ein vertrautes Lachen. Ohne darüber nachzudenken, blieb sie stehen und drehte den Kopf. An dem Tisch saß Antonia. Vor ihr standen Teller mit Pasta und Meeresfrüchten, daneben eine geöffnete Flasche Weißwein. Sie trug ein neues Kleid und war von drei Freundinnen umgeben. Die Frauen unterhielten sich lebhaft, lachten ausgelassen und wirkten sorglos, beinahe unbeschwert.

Karoline erstarrte. Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte sie, ob sie zu ihnen gehen sollte. Dann verwarf sie den Gedanken. Es lohnte sich nicht. Sie wandte sich ab und kehrte an ihren eigenen Tisch zurück.

— Ist alles in Ordnung? — erkundigte sich ihre Kollegin.

— Ja, natürlich — antwortete Karoline und nickte knapp. — Alles bestens.

Doch genau das war es nicht.

Am Abend erwähnte sie Konrad gegenüber kein Wort davon. Vielleicht brauchte Antonia wirklich etwas Ablenkung. Vielleicht hatten die Freundinnen eingeladen. Möglich auch, dass sie etwas zu feiern hatten. Es gab keinen Beweis, und voreilige Schlüsse hatten noch nie geholfen.

Trotzdem war der Zweifel gesät.

Einige Tage später sah Karoline Antonia erneut. Samstagmittag im Einkaufszentrum. Karoline suchte gerade neue Bettwäsche aus, als ihr am Ausgang eines Modegeschäfts eine bekannte Gestalt ins Auge fiel. Antonia telefonierte, in beiden Händen schwere Einkaufstaschen, und ihr Gesichtsausdruck verriet deutliche Zufriedenheit.

Diesmal ging Karoline auf sie zu.

— Antonia?

Die junge Frau zuckte zusammen, drehte sich um, und für einen kurzen Moment huschte Unsicherheit über ihr Gesicht. Dann fing sie sich und setzte ein Lächeln auf.

— Karoline! Hallo! Was für ein Zufall!

— Hallo — sagte Karoline und deutete mit einem Blick auf die Taschen. — Auf Shoppingtour?

— Äh … ja, also — Antonia stockte kurz. — Es gab riesige Rabatte. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Shirts für ein paar Euro, Jeans fast geschenkt.

— Verstehe — erwiderte Karoline und zwang sich zu einem freundlichen Lächeln. — Schön für dich. Und … hast du inzwischen eine Stelle gefunden?

— Noch nicht — Antonia senkte den Blick. — Aber ich bemühe mich wirklich. Ich war schon bei mehreren Vorstellungsgesprächen.

— Das freut mich zu hören. Ich wünsche dir viel Erfolg.

Sie verabschiedeten sich, und Karoline ging weiter. Doch in ihrem Inneren zog sich etwas unangenehm zusammen. Rabattaktionen gab es in diesem Laden tatsächlich. Dennoch waren die Taschen prall gefüllt, und Antonia wirkte nicht wie jemand, der jeden Euro zweimal umdrehen musste.

Am Abend saß Konrad vor dem Fernseher und verfolgte ein Fußballspiel, als Karoline sich neben ihn setzte.

— Konrad, wir müssen reden.

— Jetzt? — fragte er, ohne den Blick vom Bildschirm zu lösen.

— Ja. Es geht um Antonia.

Nun sah er sie an.

— Was ist passiert?

— Ich habe sie gesehen. Zweimal. Einmal im Restaurant mit ihren Freundinnen und dann im Einkaufszentrum, voll beladen mit neuen Sachen.

Konrad runzelte die Stirn.

— Und?

— Wie „und“? — Karoline bemühte sich, ruhig zu bleiben. — Wir unterstützen sie finanziell, damit sie über die Runden kommt, und gleichzeitig geht sie in teure Restaurants und kauft Markenklamotten.

— Karoline — seufzte Konrad, als erkläre er etwas Selbstverständliches —, vielleicht haben die Freundinnen bezahlt. Du weißt doch gar nicht, wer die Rechnung übernommen hat. Und beim Einkaufen hat sie gesagt, es war reduziert. Soll sie deiner Meinung nach in alten Sachen herumlaufen?

— Ich möchte nur, dass sie ehrlich ist.

— Sie lügt nicht! — Konrads Stimme wurde lauter. — Du bist einfach voreingenommen!

— Ich? — In Karoline riss innerlich etwas. — Ich, die zugestimmt hat, ihr zu helfen, soll voreingenommen sein?

— Du denkst sofort das Schlimmste! Du fragst nicht nach, du redest nicht mit ihr — du beschuldigst gleich!

Karoline stand auf.

— Weißt du was, Konrad? Gut. Dann lass es so sein.

Sie ging ins Schlafzimmer, schloss die Tür hinter sich und setzte sich schweigend auf die Bettkante.

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