«Ich lasse mich nicht ausnutzen» — sagte sie ruhig, doch unnachgiebig

Ihre unnachgiebige Entschlossenheit entlarvt schamlose Heuchelei.
Geschichten

— Wie konntest du es wagen, die Karte meiner Schwester sperren zu lassen?! — brüllte mein Mann außer sich vor Wut.

Karoline Bauer blätterte gerade durch mehrere Berichte auf ihrem Tablet, als die Wohnungstür mit einem lauten Knall aufgerissen wurde und Konrad Stein hereinplatzte. Ein einziger Blick auf sein Gesicht reichte aus, um zu begreifen, dass etwas geschehen war. Er hatte sich nicht einmal die Schuhe ausgezogen, blieb im Türrahmen stehen, und seine Stimme durchschnitt die Stille der Wohnung wie ein scharfes Messer.

— Wie konntest du die Karte meiner Schwester blockieren?! — schrie er erneut und fuchtelte mit seinem Smartphone. — Sie hat mich eben weinend angerufen! Sie sagt, sie kann sich nicht einmal Lebensmittel kaufen!

Karoline legte das Tablet langsam zur Seite und sah ihn an. Ruhig. Beunruhigend ruhig für jemanden, dem gerade Herzlosigkeit vorgeworfen wurde.

— Setz dich erst einmal — sagte sie mit gleichmäßiger Stimme. — Lass uns reden.

— Was heißt hier „setz dich“? — Konrad trat weiter ins Zimmer, blieb aber stehen. — Ist dir eigentlich klar, was du getan hast? Antonia hat jetzt gar kein Geld mehr! Nicht einen Cent!

— Gar keins? — Karoline hob leicht die Augenbrauen. — Interessant. Warum hat mir deine Mutter dann gestern erzählt, dass Antonia seit drei Wochen bei ihnen wohnt und keinen einzigen Euro für den Einkauf beigesteuert hat?

Konrad verstummte. Zumindest für einen Moment.

— Was hat meine Mutter damit zu tun? Wir hatten doch vereinbart, Antonia zu unterstützen, bis sie wieder Arbeit findet. Du warst doch einverstanden!

Karoline erhob sich, ging zum Fenster und blickte auf die Stadt im frühen Abendlicht. Unten begannen die Lichter zu glimmen, verwandelten das graue Bild in etwas Entferntes, beinahe Beruhigendes. Weit weg von diesem Streit.

Alles hatte zwei Monate zuvor begonnen. Konrad war damals missmutig von der Arbeit nach Hause gekommen, hatte sich Tee eingeschenkt und lange schweigend am Küchentisch gesessen. Karoline wusste, dass Drängen nichts brachte — er würde sprechen, wenn er dazu bereit war.

— Antonia wurde entlassen — sagte er schließlich. — Aus ihrer Firma. Angeblich wird „optimiert“, und die halbe Abteilung musste gehen.

Karoline stellte die Pfanne vom Herd.

— Das ist bitter. Sucht sie schon etwas Neues?

— Natürlich sucht sie. Aber du weißt doch selbst, wie schwierig es im Moment ist… — Konrad rieb sich über den Nasenrücken. — Kari, ich habe darüber nachgedacht… vielleicht könnten wir ihr ein wenig unter die Arme greifen. Vorübergehend. Ein, zwei Monate, mehr nicht.

Karoline hielt inne, noch mit der Zwiebel in der Hand.

— Helfen… in welcher Form?

— Ich weiß nicht genau… Miete, Essen. Damit sie sich zumindest um das Nötigste keine Sorgen machen muss, während sie sucht. Sie lebt zur Miete, das kostet alles…

Karoline wusste, dass sie zustimmen würde. Nicht aus Schwäche. Sondern weil Konrad sie selten um etwas bat — und seiner Schwester Hilfe zu verweigern hätte sich falsch angefühlt. Familie blieb Familie.

— Gut — nickte sie schließlich. — Ich richte ihr eine Zusatzkarte zu meinem Konto ein und setze ein festes Limit. Wenn sie mehr braucht, soll sie vorher Bescheid sagen, damit es keine Missverständnisse gibt.

Konrad umarmte sie von hinten.

— Danke. Wirklich. Antonia wird das zu schätzen wissen, da bin ich sicher.

Karoline antwortete nicht, sondern wandte sich wieder dem Schneidebrett zu. Doch tief in ihr regte sich ein leises, unangenehmes Gefühl — eines, das sie bewusst ignorierte.

Der erste Monat verlief problemlos. Karoline hatte ein Limit festgelegt, das Antonia erlaubte, ihre kleine Einzimmerwohnung am Stadtrand zu bezahlen, Lebensmittel zu kaufen und die Fahrten zu erledigen. Bescheiden, aber ausreichend.

Ab und zu schrieb Antonia Nachrichten in den Familienchat: „Vielen Dank, ihr rettet mich“, oder „Ich weiß gar nicht, was ich ohne euch machen würde“. Konrad war zufrieden, Karoline beruhigt. Alles schien nach Plan zu laufen.

Bis zu jenem Abend im „Grand Palace“.

Karoline traf sich dort mit einer Kollegin; bei einem Glas Wein besprachen sie Details zu einem neuen Projekt und ahnten noch nicht, dass dieser Abend alles verändern würde.

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