„Sie hatten recht“, sagte ich und ließ die Schultern hängen, als hätte ich endlich Einsicht gewonnen. Mit einem tiefen Seufzer setzte ich noch einen drauf: „Ich habe verstanden, wie falsch ich lag. Ein Mann braucht schließlich das Sagen. Und dieses winzige Gästezimmer wird Ihrer Größe einfach nicht gerecht – ganz zu schweigen davon, dass es Valentinas Chakren völlig aus dem Gleichgewicht bringt.“
Florian Roth lehnte sich selbstzufrieden zurück, schlug ein Bein über das andere und verzog den Mund zu einem triumphierenden Grinsen. „Heißt das, du bist endlich bereit für den Gang zum Notar?“
„Nicht nur das!“ Ich klatschte begeistert in die Hände. „Ich habe beschlossen, euch zu überraschen. Wenn ihr hier das Sagen habt, muss auch das Ambiente passen. Wir lassen das Wohnzimmer renovieren – komplett neu, nur für euch gestaltet. Damit ihr es künftig standesgemäß und komfortabel nutzen könnt. Natürlich streng nach Feng-Shui.“
Valentina Zimmermann reckte misstrauisch den Hals. „Renovieren? Was soll das heißen?“
„Eine richtig hochwertige Auffrischung“, erklärte ich mit verschwörerisch gedämpfter Stimme. „Die Handwerker könnten sofort anfangen. Aber Baustaub ist schlecht für die Aura – und für empfindliche Stoffe. Deshalb müsst ihr schnell alles zusammenpacken. Wirklich alles: Kleidung, eure Zimmerpflanzen, sogar den Papageienkäfig. Ab in Kartons damit und bitte in den Flur stellen. Sobald das Wohnzimmer komplett leer ist, rückt das Team an und reißt die Tapeten runter. Und du und ich, Florian, fahren danach direkt zum Notar.“
In den Augen meiner Schwiegermutter blitzte es gierig auf. Sie beugte sich zu ihrem Sohn. „Florian, mein Junge, sie richtet das alles für uns her! Ich wusste doch, dass meine Energiepyramide wirkt. Sie investiert in unseren Status!“
Was dann folgte, war ein Spektakel. Getrieben von der Aussicht auf ein „luxuriöses“ neues Reich, räumten sie mit fieberhafter Hast ihre Habseligkeiten zusammen. Kartons wurden aufgerissen, wieder zugeklebt, vertauscht. Im Flur stießen sie mehrmals zusammen. Valentina wickelte ihre Kleider und Kosmetikfläschchen persönlich in Papier, als hinge ihr Leben daran – vermutlich aus Angst, ich könnte meine Meinung ändern. Florian schleppte schwitzend einen versiegelten Karton nach dem anderen hinaus, sein Gesicht gerötet vor Anstrengung und Erwartung.
Gegen sechs Uhr abends türmte sich im Eingangsbereich ein chaotischer Berg aus Koffern, Schachteln und Blumentöpfen. Ihr gesamter Besitz stand säuberlich verpackt bereit.
„Wir sind startklar für die Renovierung!“ verkündete Florian pathetisch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Deine Leute können kommen – und wir besprechen dann in Ruhe die Details beim Notar.“
