auf den Esstisch platzierte sie zudem eine gläserne Pyramide, die angeblich kosmische Ordnung herstellen sollte. Florian Roth hingegen gewöhnte sich zusehends an die Rolle des selbsternannten Gutsherrn, der durch meine Wohnung schritt, als stünde sein Wappen über der Tür.
Nach vierzehn Tagen Dauerbeschallung – Vorträge darüber, dass eine Frau „wie ein sanfter Fluss das Felsmassiv männlicher Größe umspülen“ müsse – eröffnete er die nächste Offensive. Wir saßen beim Abendessen.
„Ein wahrer Souverän kann unmöglich als Besucher in seinem eigenen Reich leben!“ Er reckte die Gabel in die Luft, als führe er Poseidons Dreizack. „Meine Mutter quetscht sich in dieses winzige Gästezimmer und fühlt sich degradiert. Ihre Energiebahnen leiden unter mangelnder Anerkennung. Morgen gehen wir zum Notar, und du überschreibst mir fünfzig Prozent der Wohnung. Das ist nichts weniger als historische Gerechtigkeit! Mann und Frau sind eins – folglich gehören auch die Quadratmeter beiden!“
Valentina Zimmermann nickte entrückt, die Lider halb gesenkt. „Erst wenn sie im Ehemann aufgeht, findet die Frau zu ihrem wahren Selbst …“
„Florian“, erwiderte ich ruhig, „§ 1363 in Verbindung mit § 1370 des Bürgerlichen Gesetzbuches regelt ziemlich eindeutig, dass Vermögen, das vor der Ehe erworben wurde, Alleineigentum bleibt. Deine pathetische Geschichtsstunde zerschellt leider an der Realität des deutschen Rechts. Es wird keine Abtretung geben.“
Sein Gesicht verfärbte sich in ein bedenkliches Purpur. Mit einer theatralischen Geste wollte er die Faust auf den Tisch donnern, verfehlte jedoch das Holz und traf den Rand seines Tellers. Der noch dampfende Borschtsch schwappte in einer roten Welle über seine Jogginghose. Florian sprang auf und hüpfte zwischen Tisch und Herd umher, stieß dabei zwei Stühle um und wirkte wie ein verbrühter Pavian im Balzrausch.
„Du bist habgierig und seelenlos!“, kreischte er, während er hektisch Rote-Bete-Flecken aus dem Schritt schrubbte. „Eine Ehefrau, die ihrem Mann keinen Besitz überlässt, ist wie ein Baum ohne Früchte! Das war der letzte Tropfen. Wenn bis morgen Abend keine Schenkungsurkunde auf dem Tisch liegt, werde ich zu drastischen Maßnahmen greifen!“
Genau dieser Satz war mein Startsignal.
Am nächsten Morgen, während Mutter und Sohn bis in den späten Vormittag schliefen, um ihre „Energien“ nach dem Drama zu regenerieren, fuhr ich zum Amtsgericht und reichte die Scheidung ein.
Als ich zurückkam, bot sich mir ein idyllisches Bild: Valentina und Florian saßen im Wohnzimmer, tranken meinen kostbaren Samovar-Tee aus der Vitrine.
„Sie hatten recht“, sagte ich.
