Partnerbörsen jenseits der fünfundvierzig fühlen sich an wie ein Glücksspiel ohne Gewinnchance: Statt der ersehnten Null zieht man entweder einen verkappten Überflieger an Land, der noch immer im Kinderzimmer residiert, oder einen Hobbyphilosophen, der beim ersten Drink ausführlich darlegt, weshalb seine Ex ein Monster gewesen sei. Mit siebenundvierzig hatte ich mir eine dicke Haut zugelegt. Die Geschichten beeindruckten mich längst nicht mehr. Zu Verabredungen ging ich eher aus Gewohnheit als aus Erwartung – wie zu Bewerbungsgesprächen, bei denen man innerlich schon mit einer Absage rechnet.
Mit Leon Mayer allerdings lief alles anders, und zwar vom ersten Kontakt an. Unter einem harmlosen Stadtbeitrag gerieten wir in eine lebhafte Diskussion, wechselten bald in private Nachrichten und telefonierten schließlich drei Abende hintereinander bis tief in die Nacht. Er war fünfzig, seit Jahren geschieden. Keine anzüglichen Sprüche, kein selbstmitleidiges Lamentieren. Am Freitag fragte er, ob ich mit ihm essen gehen wolle.
Das Restaurant, das er auswählte, hatte Klasse. Gedämpfte Musik, lautlose Kellner, schmeichelndes Licht, das die Spuren einer anstrengenden Woche sanft verwischte. Leon Mayer erwartete mich bereits vor der Tür, einen geschmackvollen, zurückhaltenden Strauß in der Hand. Perfekt gekleidet, ein dezenter Duft, ein Lächeln, das nicht einstudiert wirkte.
Wir blieben fast vier Stunden an unserem Tisch – vier Stunden, die wie im Flug vergingen. Tränen liefen uns vor Lachen, als wir von unseren Studienzeiten erzählten. Er sprach brillant, mit Charme und einer herrlichen Portion Selbstironie.
Während ich ihm lauschte und seine warme Stimme hörte, setzte ich innerlich Häkchen: klug, zuverlässig, großzügig, humorvoll.

Dann brachte der Kellner die Rechnung. Und plötzlich begann das Märchen bedrohlich zu bröckeln.
Noch immer über einen meiner Witze schmunzelnd, zog Leon Mayer lässig eine schwere schwarze Karte aus dem Portemonnaie und hielt sie an das Lesegerät.
Ein langgezogenes, unangenehmes Piepen durchschnitt die angenehme Atmosphäre.
Der Kellner – ein junger Mann mit aristokratisch-feinen Zügen – warf einen Blick auf das Display und sagte mit frostiger Höflichkeit: «
