„Ich rede nicht nur davon“, fuhr sie mit fester Stimme fort. „Morgen reiche ich die Scheidung ein. Ob du unterschreibst oder nicht, spielt keine Rolle mehr.“
Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, warf Laura Albrecht das Geschirrtuch ins Spülbecken und ging ins Schlafzimmer. Sie begann, ihre Sachen zusammenzusuchen. Noch heute würde sie diese Wohnung verlassen – die Wohnung, die Erik Bauer schon vor ihrer Hochzeit gehört hatte und die er nie wirklich als gemeinsames Zuhause betrachtet hatte. Sie würde zu ihrer Mutter zurückkehren. Und sie würde ihr sagen, dass sie recht gehabt hatte: Ihr Mann war nie wirklich bereit für eine eigene Familie gewesen.
In Gedanken hing er noch immer am Rockzipfel seiner Mutter, wiederholte ihre Ansichten wie ein Lautsprecher, der keine eigene Meinung kannte.
Und sie würde sich bedanken. Dafür, dass ihre Mutter diese Abhängigkeit früh erkannt, sie jedoch nie bedrängt oder beeinflusst hatte. Sie hatte Laura nicht manipuliert, sondern ihr die Freiheit gelassen, selbst zu begreifen, was geschah, und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.
Vor allem aber würde sie ihr für einen Satz danken, den sie ihr kurz vor der Hochzeit mitgegeben hatte:
„Mein Schatz, du bist erwachsen und wirst deine eigene Familie haben. Aber vergiss nie: Wenn irgendetwas schiefläuft, steht dir immer eine Tür offen. Du hast jederzeit ein Zuhause.“
Genau dorthin kehrte sie nun zurück.
Ruhig legte sie ihre Kleidung in große Taschen, bestellte nebenbei ein Taxi über die App. Währenddessen redete Erik ununterbrochen weiter. Aus seinem endlosen Monolog blieb letztlich nur ein Satz hängen:
„Meine Mutter hatte recht!“
Laura antwortete nicht. An der Tür drehte sie sich nur kurz um und sagte knapp, dass sie den Antrag beim Standesamt am nächsten Morgen selbst einreichen werde. Dann ging sie.
Ein paar Stunden später saß sie bereits bei ihren Eltern am Küchentisch, eine Tasse heißen Tee in den Händen, und erzählte ihrer Mutter von allem. Da klingelte ihr Telefon. Der Name ihrer Schwiegermutter erschien auf dem Display.
„Was wollen Sie?“, fragte Laura kühl. Höflichkeit hatte Grenzen – besonders gegenüber einer Frau, die systematisch ihre Ehe untergraben hatte.
„Was ich will? Was willst du denn erreichen, Laura? Er lässt sich am Ende noch von dir scheiden!“
„Er lässt sich nicht scheiden“, entgegnete sie ruhig. „Ich werde die Scheidung einreichen. Morgen.“
„Wie bitte? Wegen eines Streits gleich zum Amt rennen? Dann hat es wohl nie Liebe gegeben! Ich wusste es – du hast ihn nie wirklich geliebt!“
„Denken Sie, was Sie möchten.“ Mehr sagte Laura nicht und beendete das Gespräch.
Sie hatte nicht vor, sich zu rechtfertigen oder dieser Frau zu erklären, warum sie sich selbst wichtiger nahm als eine Ehe, die längst nur noch auf dem Papier bestand.
