Erik schnaubte verächtlich. „Es geht doch um die Geste! Selbst wenn ich dir einen Ast vom Gehweg mitbringe, müsstest du dich freuen – einfach, weil er von deinem Ehemann kommt. Wenn du mich wirklich lieben würdest, wäre dir egal, was es ist.“
Laura Albrecht atmete tief durch. Seine Worte brannten sich in ihr Gedächtnis ein. Und schon am nächsten Tag brachte sie die teure Spielkonsole, die sie heimlich für seinen Geburtstag besorgt hatte, zurück ins Geschäft.
Wenn für ihn angeblich nur die „Aufmerksamkeit“ zählte, dann sollte er sie bekommen – in ihrer schlichtesten Form. Ein Duschgel aus dem Drogeriemarkt. Dass der Duft etwas gewöhnungsbedürftig war, spielte ja keine Rolle. Wichtig war doch allein die Absicht. Oder?
Erik verstand diese Botschaft allerdings sofort – und tobte nach der Feier.
„War es wirklich zu viel verlangt, etwas Anständiges für mich auszusuchen?!“
Als er seine eigenen Sätze beinahe wortgleich zurückhörte, dämmerte ihm der Zusammenhang. Doch statt Einsicht folgte noch mehr Zorn.
„Willst du mich erziehen? Hast du mir absichtlich den Geburtstag ruiniert? Ich hatte Stress im Büro, habe danebengegriffen – das passiert nun mal! Und du reagierst gleich so?!“
„Hör auf, mich anzuschreien“, erwiderte Laura und verzog das Gesicht.
„Nach so einer Aktion kannst du froh sein, dass ich nicht direkt die Scheidung eingereicht habe!“
Sie blickte ihn ruhig an. „Möchtest du dich denn trennen?“
„Ja! Ich bin es leid! Deine ständigen Nörgeleien – hier passt dir etwas nicht, da ist wieder irgendetwas falsch…“
„Gut. Dann gehen wir morgen zum Standesamt und reichen die Scheidung ein.“
Er blinzelte irritiert. „Moment mal… so einfach?“
„Warum nicht? Ein paar Unterschriften. Wir haben keine Kinder, kein gemeinsames Eigentum. In einem Monat ist alles erledigt.“
„So wenig bedeutet dir unsere Ehe? Du hast doch behauptet, du liebst mich, würdest alles für mich tun. Und bei der ersten Schwierigkeit rennst du davon? Meine Mutter hatte recht – du hast den Test nicht bestanden.“
Laura runzelte die Stirn. „Welchen Test? Und was hat deine Mutter damit zu tun?“
„Sie meinte immer, deine Gefühle seien nicht echt. Wenn du mich wirklich lieben würdest, hättest du einen Paartherapeuten vorgeschlagen, hättest versucht herauszufinden, was schiefläuft, hättest um uns gekämpft. Irgendetwas unternommen, damit ich bleibe! Stattdessen redest du sofort von Scheidung.“
Laura sah ihn lange an. „Weißt du was… Ich habe jetzt genug.“
