„Ich sage es nicht zwischen den Zeilen, ich sage es direkt: ja“ — entgegnete Laura erschöpft und wies Eriks ständige Vorwürfe zurück

Diese ständige Kritik ist schmerzhaft und ungerecht.
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— Laura Albrecht, sag mal… was ist eigentlich mit deinem Gesicht los? — Die Gäste waren längst gegangen. Die erschöpfte, aber zufriedene Geburtstagsfrau räumte gerade die letzten Teller in die Spülmaschine, als Erik Bauer plötzlich beschloss, ein „ernstes Gespräch“ zu beginnen.

Es war nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen, dass er so anfing. Immer fand sich ein neuer Anlass für Kritik. Und jedes Mal drehte sich das Gespräch so, dass am Ende sie als Schuldige dastand — und sich auch noch entschuldigen musste.

Doch heute hatte Laura nicht vor, klein beizugeben.

— Was genau stört dich denn an meinem Gesicht, Erik? Ich bin schlicht müde nach der Feier. Falls du erwartest, dass ich vierundzwanzig Stunden am Tag geschniegelt und mit Dauerlächeln herumlaufe, dann hast du in zwei Ehejahren offenbar alles betrachtet — nur nicht mich.

— Als gäbe es da viel zu sehen, — spottete er.

Den Seitenhieb überhörte sie. Aber das, was danach kam, sehr wohl.

— Ich habe genau beobachtet, wie begeistert du über die anderen Geschenke warst. Meins hingegen schien dir gar nicht zu gefallen. Also wollte ich wissen, was diesmal wieder falsch ist. Ich habe mir Mühe gegeben, etwas ausgesucht, das dir Freude macht — und du ziehst eine Miene, als hätte ich dir etwas Widerwärtiges überreicht.

— Wie viel Mühe du dir gemacht hast, weiß ich nicht. Aber in zwei Jahren hättest du dir merken können, dass ich Zitrusdüfte nicht ausstehen kann. Das ist der einzige Geruch, der mir regelrecht körperlich unangenehm ist.

Alles, was nach Orange oder Zitrone riecht, verschenke ich weiter — meistens an meine Mutter oder an meine kleine Schwester. Übrigens kann sie dieses Set für coloriertes Haar viel eher gebrauchen. Mit fünfzehn hat sie ihre Haare in diesem halben Jahr schon dreimal umgefärbt. Ich dagegen habe meine noch nie gefärbt. Auch das hättest du bemerken können.

— Willst du mir damit sagen, dass meine Geschenke nichts taugen?

— Ich sage es nicht zwischen den Zeilen, ich sage es direkt: ja. Du hättest einfach einen Blick auf meine Wunschliste werfen können. Seit zwei Monaten ist sie oben auf meinem Profil angepinnt. Und du folgst mir, falls du das vergessen hast.

— Als ob ich Zeit hätte, deine Listen zu studieren! Habe ich nichts Besseres zu tun? Und überhaupt — beim Schenken zählt doch nicht nur das Geschenk selbst.

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