„Du bist und bleibst eben ein graues Mäuschen. Eine Versagerin“ zischte er leise, nur für meine Ohren im Trubel des Klassentreffens

Sein Triumph wirkt hohl, verletzend und verächtlich.
Geschichten

Der schwere Wagen kam unmittelbar vor dem Eingang zum Stehen. Die Scheinwerfer tauchten Markus Fuchs in grelles Licht, sodass er geblendet die Augen zusammenkniff.

Die Fahrertür öffnete sich geräuschlos. Ein groß gewachsener Mann in makellos sitzendem, dunklem Anzug stieg aus, umrundete mit ruhigen Schritten die Limousine und öffnete respektvoll die hintere Tür.

„Guten Abend, Frau Engel“, sagte er mit klarer, professioneller Stimme.

Schlagartig verstummten die Gespräche auf der Treppe. Christina Köhler stand reglos da, der Mund leicht geöffnet. Auch die übrigen ehemaligen Mitschüler starrten abwechselnd auf den Wagen, dann auf mich, als hätten sie plötzlich eine andere Realität betreten.

Markus’ selbstgefälliges Lächeln zerfiel. Seine Gesichtszüge verhärteten sich, während er das Auto fixierte. In seinen Augen flackerte ein unruhiges, fahriges Blitzen auf. Er schluckte, sah zu mir, dann wieder zu der Limousine, als hoffe er, sich getäuscht zu haben.

„Na, hast du dir ein Edel-Taxi gegönnt?“, stieß er heiser hervor. Er bemühte sich um Spott, doch seine Stimme verriet ihn. „Willst du Eindruck schinden? Das kostet dich doch ein Vermögen. Für die Fahrt kannst du einen Monat von Nudeln leben.“

Ich blieb neben der geöffneten Tür stehen und wandte mich ihm zu. In mir war weder Wut noch Triumphlust. Nur eine klare, kühle Ruhe – und das leise Gefühl, dass die Dinge nun an ihren Platz fielen.

„Markus“, erwiderte ich ruhig, jedes Wort deutlich in der abendlichen Stille, „das ist kein Taxi. Es ist mein Dienstwagen.“

Ich ließ eine kurze Pause entstehen und beobachtete, wie die Farbe aus seinem Gesicht wich.

„Und das Interessante daran“, fuhr ich fort und hielt seinem Blick stand, „ich habe ihn heute Morgen von dir übernehmen lassen.“

Sein Gesicht wurde kalkweiß. Die Lippen öffneten sich, doch zunächst kam nur ein kratzendes Geräusch über sie. Unwillkürlich krallte er sich an seinen glänzenden Schlüsselanhänger, als könne dieses Stück Metall ihm Halt geben.

„Was erzählst du da für einen Unsinn?“, presste er schließlich hervor und suchte Rückhalt bei den Umstehenden. „Das ist mein Wagen! Ich habe ihn gekauft!“

„Du hast ihn über unsere Bank finanziert“, entgegnete ich kühl. „Und seit vier Monaten keine einzige Rate mehr beglichen. Mahnungen, Anrufe, persönliche Termine – alles hast du ignoriert. Du warst offenbar der Meinung, man könne einfach weiterfahren, ohne zu zahlen.“

„Du bist doch nur eine Sachbearbeiterin!“, fuhr er auf, seine Stimme kippte schrill. Die Fassade begann sichtbar zu bröckeln. „Du hast überhaupt nichts zu entscheiden!“

Ein schmales, kontrolliertes Lächeln legte sich auf meine Lippen.

„Ich leite die Abteilung für die Eintreibung von Unternehmenskrediten“, sagte ich ruhig.

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