„Welchen angeblichen Schuldbetrag fordert deine Mutter eigentlich von mir? Ich habe mir von ihr keinen Cent geliehen!“ rief Antonia und ließ ein aus einem Heft gerissenes Blatt mit dumpfem Knall auf die Tischplatte fallen

Unverschämte Abrechnung — herzlos, beschämend, zutiefst empörend.
Geschichten

— Auf Tee verzichten wir. Wir kommen ohne Umwege zum Punkt. Zahlungsfrist: bis Monatsende.

Antonia Becker erhob sich wortlos, ging zum Spülbecken und füllte sich ein Glas mit Wasser. Sie zwang sich zu einem langsamen Schluck. Die aufsteigende Hitze in ihr musste erst abkühlen, bevor sie sprach.

— Frau Vogel, wir haben Ihre Aufstellung gelesen, — begann sie mit einer Ruhe, die fast unnatürlich wirkte. — Was ich allerdings nicht verstehe: Auf welcher Grundlage soll hier ein Geschäft zustande kommen? Geht es darum, Vergangenes in Rechnung zu stellen?

— Vergangen ist hier gar nichts, Liebes. Das sind Investitionen, — entgegnete Theresa Vogel und strich mit prüfendem Finger über das Fensterbrett, als suche sie Staub. — Ich habe Zeit, Kraft und Geld in euren Haushalt gesteckt, damit ihr vorankommt. Jetzt bin ich Rentnerin, die Renovierung steht an, die Leitungen tropfen. Und ich wende mich ja wohl an meine Familie, nicht an Fremde. Schulden begleicht man nun einmal.

— Mama, selbst die Zucchini aus deinem Garten tauchen hier auf, — mischte sich Christian Weiß ein und hob endlich den Blick. — Und zwar zum Feinkost-Preis?

— Glaubst du, die wachsen ohne Arbeit? Das ist Mühe, Dünger, Rückenschmerzen! — schnitt seine Mutter ihm das Wort ab. — Ich habe fair kalkuliert und euch sogar einen Familiennachlass eingeräumt. Hättet ihr eine externe Betreuung engagiert, wäre es deutlich teurer geworden. Also bitte.

Antonia atmete langsam aus. Statt zu widersprechen, zog sie aus der Schublade einen Taschenrechner hervor und legte ihn vor ihre Schwiegermutter.

— Einverstanden. Wenn wir von Marktpreisen sprechen, dann konsequent. Ich spiele nach Ihren Regeln.

Ein zufriedenes Lächeln huschte über Theresas Gesicht, während sie die Falten ihres Rocks glattstrich.

— Siehst du, ich wusste doch, dass du vernünftig bist. Keine unnötigen Dramen.

— Allerdings habe ich einen Gegenvorschlag, — sagte Antonia ruhig, drehte das beschriebene Blatt um und setzte den Stift an. — Wir rechnen gegenseitig auf. Christian, hilf mir. Letzten Sommer haben wir Ihre Loggia renoviert. Du hast gedämmt, ich gespachtelt und gestrichen.

— Stimmt, — bestätigte er, und ein wacher Ausdruck trat in seine Augen.

— Handwerker sind derzeit teuer. Allein eine professionelle Endreinigung nach solchen Arbeiten kostet mindestens siebentausend Euro. Das notieren wir. Weiter. Frau Vogel, vor einem halben Jahr lagen Sie mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Ich bin täglich quer durch die Stadt zu Ihnen gefahren.

Das Lächeln der Schwiegermutter erlosch und wich einem angespannten Blick.

— Worauf willst du hinaus? Ich war krank.

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