„Und ich soll euch beide durchfüttern?“ höhnte er verächtlich, sie stand am Herd mit leerem Topf und zitternden Händen

Herzlose Selbstsucht, die langsam alles zerfrisst.
Geschichten

Sebastian Köhlers Stimme überschlug sich.

„Hannah, bleib stehen! Wo willst du hin?!“

Ich reagierte nicht. Kein Blick zurück, kein Zögern. Ich griff nach dem Koffer, drückte die Klinke hinunter und öffnete die Wohnungstür.

Hinter mir erklang eine fremde, verlegene Stimme – sein Vorgesetzter. „Ich denke, ich mache mich besser auf den Weg. Das hier … nun ja, die Feier läuft wohl nicht wie geplant.“

Stühlerücken kratzte über den Boden, Schritte scharrten, gedämpfte Wortfetzen mischten sich mit einem unterdrückten Fluch. Niemand wusste so recht, wohin mit sich. Ich zog die Tür hinter mir ins Schloss und ging die Treppe hinunter, Stufe für Stufe, ohne Hast.

Draußen empfing mich kühle Abendluft. Doch ich fror nicht. Der Koffer war kaum schwer – nur das Nötigste hatte ich eingepackt: Kleidung, Dokumente, ein wenig Erspartes. Mehr brauchte ich nicht für einen Neuanfang.

Vor dem Haus blieb ich kurz stehen und sah nach oben. In den Fenstern brannte noch Licht. Unwillkürlich stellte ich mir vor, wie Sebastian mitten im verwüsteten Wohnzimmer stand – vor dem Tisch mit dem Topf Nudeln, den Rechnungen und den halb geleerten Tellern. Zwischen kaltem Essen und peinlicher Stille.

In meiner Jackentasche vibrierte das Handy. Ich musste nicht nachsehen, um zu wissen, wer anrief. Trotzdem ließ ich es klingeln. Eine Antwort hätte nichts verändert. Meine Freundin erwartete mich bereits; vor einer Woche hatte ich ihr gesagt, dass ich kommen würde – falls ich den Mut aufbrächte.

Ich ging zur Bushaltestelle. Wieder vibrierte das Telefon. Und noch einmal. Schließlich zog ich es hervor und schaltete es stumm.

Ich wollte nichts mehr hören. Keine Rechtfertigungen, keine Vorwürfe, keine leeren Versprechen. Er konnte seine geliebten Rippchen künftig allein genießen und den Kühlschrank ganz für sich beanspruchen. Ich würde nicht länger daneben sitzen und ihm beim Schmatzen vor dem Fernseher zusehen, während ich trockene Nudeln hinunterwürgte.

Der Bus bog überraschend schnell um die Ecke. Ich setzte mich ans Fenster, lehnte den Kopf gegen die Scheibe und schloss die Augen.

Was vor mir lag, war ungewiss. Aber es war mein Ungewisses. Ohne Sebastian, ohne seine herablassenden Blicke, ohne den Geruch von Räucherfleisch in der ganzen Wohnung.

Der Geburtstag war unvergesslich geworden.

Nur eben anders, als es sich das Geburtstagskind vorgestellt hatte.

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