„Und ich soll euch beide durchfüttern?“ höhnte er verächtlich, sie stand am Herd mit leerem Topf und zitternden Händen

Herzlose Selbstsucht, die langsam alles zerfrisst.
Geschichten

Er hatte das allen Ernstes als „vernünftige Sparmaßnahme“ verkauft, während er sich durch geräucherte Rippchen und edlen Fisch probierte.

Eine bleierne Stille senkte sich über den Raum. Aus der Küche war nur das monotone Tropfen des Wasserhahns zu hören. Der Vorgesetzte legte seine Gabel bedächtig auf den Teller, als hätte er plötzlich den Appetit verloren. Einer der Kollegen rückte unruhig mit dem Stuhl zurück.

„Hannah, jetzt reicht’s!“ Sebastian Köhler sprang so abrupt auf, dass sein Stuhl nach hinten schrammte. Sein Gesicht lief dunkelrot an. „Was erzählst du hier eigentlich für einen Unsinn?!“

Ohne mich beirren zu lassen, griff ich in die Tasche meiner Schürze. Ich zog die zusammengefalteten Belege hervor und breitete sie neben dem Topf auf dem Tisch aus. Das Papier raschelte laut in der Stille.

„Die Abrechnungen der letzten drei Monate“, sagte ich ruhig. „Strom, Wasser, Miete. Alles läuft auf meinen Namen. Und alles habe ich allein bezahlt.“

Der Chef nahm einen der Zettel, überflog die Zahlen und hob dann langsam den Blick. Seine Augen blieben an Sebastian hängen.

„Sebastian“, begann er schwerfällig, „stimmt das? Du lässt deine Frau von trockenem Zeug leben, während du es dir gutgehen lässt?“

Sebastian öffnete den Mund, doch zunächst kam kein Ton heraus. In seinem Blick mischten sich Wut, Angst und die nackte Erkenntnis, dass ihm die Situation entglitt – und das vor versammelter Mannschaft.

„Das ist doch lächerlich! Sie übertreibt! Sie steckt das Geld ihrem Sohn zu, und ich soll am Ende für alle aufkommen oder was?“

„Jetzt hör auf“, knurrte einer der Männer am Rand des Tisches. „Einfach mal still sein, Sebastian.“

Ich nahm meinen Schlüsselbund aus der Tasche und legte ihn neben die Rechnungen. Das Klirren des Metalls auf der Tischplatte durchschnitt die Spannung wie ein Messer.

Dann wandte ich mich ab und ging in den Flur. Dort stand seit dem frühen Morgen mein Koffer, fertig gepackt. Ein paar Kleidungsstücke, meine Unterlagen, etwas Erspartes – mehr brauchte ich nicht.

Hinter mir polterten Schritte.

„Hannah, bleib stehen! Wohin willst du denn?!“

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