„…und mein Chef kommt auch. Du kümmerst dich ums Essen, ist doch selbstverständlich.“
Ich wischte die Brotkrümel vom Tisch, ohne mich zu ihm umzudrehen.
„Und wovon bitte?“
Er schnaubte. „Von deinem Geld natürlich. Was soll die Fragerei? Du bist doch die Hausherrin. Oder willst du, dass ich mich vor allen blamiere?“
Der Lappen in meiner Hand war klamm und eiskalt. Trotzdem rieb ich weiter über die Tischplatte, die längst sauber war.
„Schon gut, Sebastian Köhler. Ich mache das.“
Er gab ein zufriedenes Grunzen von sich und verschwand aus der Küche. Ich blieb zurück, starrte auf das nasse Tuch in meinen Fingern. In mir riss etwas – lautlos, fast unmerklich, wie ein Faden, der zu lange gespannt war.
Am Tag seines fünfzigsten Geburtstags lief Sebastian seit dem Morgen geschniegelt durch die Wohnung, zupfte an seinem Hemdkragen, badete sich in Aftershave und betrachtete sich immer wieder im Spiegel. Gegen sechs Uhr klingelte es das erste Mal. Einer nach dem anderen traf ein: breite Hände, feste Umarmungen, lautes Gelächter, Flaschen unter dem Arm. Sebastian blühte auf, klopfte Schultern, nahm Glückwünsche entgegen, als wäre er ein Ehrengast auf eigener Bühne.
„Und wo steckt deine Frau?“ fragte sein Vorgesetzter, ein schwerer Mann mit kurz geschorenem Haar, der sich wichtig in der Tür aufbaute.
„In der Küche, sie werkelt noch!“, rief Sebastian stolz. „Eine Goldfrau ist das, macht alles allein. Sie weiß, wie man ordentlich auftischt!“
Ich stand hinter der angelehnten Küchentür und hörte jedes Wort. Goldfrau. Ordentlich auftischen.
Dann nahm ich den größten Topf vom Herd und trug ihn ins Wohnzimmer. Ohne ein Wort stellte ich ihn mitten auf den festlich gedeckten Tisch, direkt vor Sebastian.
Das Stimmengewirr verstummte schlagartig. Er sah erst auf den Topf, dann irritiert zu mir. Darin lagen verkochte Nudeln – die billigsten aus dem Discounter, grau und zusammengeklebt. Daneben legte ich schweigend eine Packung Salz.
„Hannah, was soll das denn?“ Seine Stimme kippte ins Unsichere.
Ich begegnete seinem Blick ruhig. „Mehr kann ich mir nicht leisten. Vor drei Monaten hat Sebastian beschlossen, dass ich mein Essen selbst bezahle. Von meinem Gehalt. Ich arbeite als Kassiererin. Mein Lohn reicht gerade für die Nebenkosten, die ich allein trage, und um unserem Sohn etwas zu schicken. Während ich mich von so etwas hier ernährt habe“ – ich deutete auf den Topf – „saß Sebastian jeden Abend mit kostspieligen Delikatessen am Tisch.“
