— Madam, ich rate Ihnen, sich zu beruhigen. Andernfalls sehen wir uns gezwungen einzugreifen, — erklärte einer der Sicherheitsmänner mit ruhiger, fast gelangweilter Stimme.
— Was soll das heißen? — knurrte Sebastian Braun heiser und umklammerte das Brecheisen noch fester. Doch weder seine erhobene Stimme noch das Werkzeug beeindruckten die beiden Männer im Geringsten.
Ich stieß mich langsam von der Wand ab und trat einen Schritt nach vorn.
— Das heißt, Sebastian, dass unser kleines „Überraschungsprojekt“ nun seinen Abschluss findet. Erinnerst du dich noch an den Wohnungskauf vor drei Jahren?
Er schwieg, die Stirn in Falten gelegt.
— Damals reichte unser gemeinsames Geld nicht aus. Meine Eltern haben den fehlenden Betrag beigesteuert. Allerdings nicht als Darlehen. Sie haben mir die Summe offiziell geschenkt. Notariell beglaubigt. Dieses Geld floss als mein Eigenanteil in den Kaufvertrag ein. Du hast die Unterlagen unterschrieben, ohne sie auch nur zu überfliegen — du wolltest rechtzeitig zum Anpfiff ins Stadion. Dein Anteil beträgt fünfunddreißig Prozent. Meiner fünfundsechzig. Die Immobilie gehört uns nicht „einfach so gemeinsam“, sondern in klar definierten Anteilen.
Sein Gesicht verlor sichtbar an Farbe.
— Und… was soll das ändern? Es ist doch trotzdem unsere Wohnung…
— Unser Anteil, — korrigierte ich ruhig. — Nicht das Ganze. Und wenn ein Zusammenleben objektiv nicht mehr möglich ist und ein Eigentümer die Rechte des anderen massiv verletzt… — mein Blick wanderte zur aufgebrochenen Tür und zu dem Metallhebel in seiner Hand — …dann kann der benachteiligte Miteigentümer rechtliche Schritte einleiten: Teilung oder Ausgleichszahlung. Nur dauert ein Gerichtsverfahren Monate.
Ich ließ eine kurze Stille entstehen, damit die Bedeutung meiner Worte einsinken konnte.
— Deshalb habe ich mich für eine schnellere Lösung entschieden. Herr Vogel?
Benedikt Vogel klappte seine Mappe auf und zog mehrere Dokumente hervor.
— Herr Braun, Frau Beck. Gemäß der beim Erwerb unterzeichneten Vereinbarung sowie basierend auf einem aktuellen Gutachten eines unabhängigen Sachverständigen macht meine Mandantin, Sophia Krüger, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. Sie übernimmt Ihren Anteil, Herr Braun, zum marktüblichen Preis. Der Betrag wurde bereits auf Ihr Konto überwiesen. Sie können den Zahlungseingang prüfen. — Er reichte Sebastian ein Schriftstück. — Es fehlt lediglich Ihre Unterschrift unter dem Übergabeprotokoll. Ihre persönlichen Gegenstände sind, wie ich sehe, bereits zusammengepackt. Frau Beck ist keine Eigentümerin dieser Immobilie und somit verpflichtet, die Räumlichkeiten unverzüglich zu verlassen.
Die Stille im Raum wurde schwer und zäh wie Sirup. Sabine Beck blickte abwechselnd ihren Sohn und mich an. Ihre Lippen bewegten sich, doch es kam kein Laut heraus. Sebastian starrte auf das Papier, als könne er die Buchstaben nicht erfassen.
— Du hast das alles geplant… — presste er schließlich hervor.
— Ich habe gelernt, — antwortete ich leise. — Gelernt, dass mir nur das gehört, was ich auch zu verteidigen weiß. Du und deine Mutter habt euch große Mühe gegeben, mir einzureden, hier sei nichts von mir — weder mein Geschmack noch meine Möbel, nicht einmal mein Recht auf Ruhe. Ihr dachtet wohl, ich wüsste nichts von deinen Affären. Jeder einzelne Beweis ist dokumentiert. Da gibt es kein Herausreden mehr. In einem Punkt hattet ihr recht: Es gab hier keinen Platz für mich. Aber es gab meinen Anteil. Und über den bestimme ich.
Ich trat ans Fenster und öffnete es weit. Unten vor dem Hauseingang stand ein kleiner Umzugswagen. Daneben warteten zwei kräftige Möbelpacker, die ich bereits kannte.
— Deine Sachen stehen unten bereit…
