Holz splitterte, Metall kreischte, als würde das Haus selbst protestieren. Sie arbeiteten Hand in Hand – Mutter und Sohn. Mit jedem Stoß zertrümmerten sie nicht nur eine Tür, sondern das, was sie für ihr gemeinsames Leben hielten. Für mich war es längst kein Zuhause mehr gewesen, sondern ein Käfig mit hübschen Vorhängen.
Noch ein Schlag. Das Schloss ächzte. Ein weiterer. Gleich würden sie hier stehen, in dem Raum, den sie so selbstverständlich beherrschen wollten. Ich sog langsam die Luft ein. Ruhig bleiben. Es läuft alles, wie es soll.
Mit einem letzten, ohrenbetäubenden Krachen sprang die Tür aus einem Scharnier und schwang schief nach innen. Im Rahmen standen sie.
Sabine Beck – hochrot im Gesicht, die Frisur zerzaust, Triumph und Hass funkelten in ihren Augen.
Sebastian Braun – kalkweiß, die Züge verzerrt, das Brecheisen noch fest umklammert. Er machte den ersten Schritt.
„Und? Bist du jetzt zufrieden?“, zischte er.
Ich schwieg. Sah sie nur an.
Doch ihr selbstsicheres Vordringen endete abrupt. Beide blieben wie angewurzelt stehen. Denn der Flur – und das Wohnzimmer dahinter – boten ein Bild, das sie nicht erwartet hatten.
Überall stapelten sich Umzugskartons. Sauber beschriftet, ordentlich an der Wand aufgereiht. „Bücher“. „Küche“. „Winterkleidung“. Andere waren bereits sorgfältig verschlossen. Und vor allem: Die Wohnung war fast leer.
Der riesige Fernseher – verschwunden.
Das wuchtige Ledersofa, auf das Sebastian so stolz gewesen war – fort.
Die Bilder, die er bezahlt hatte – von den Wänden genommen.
Wo einst der schwere Glasschrank seiner Mutter gestanden hatte, zeichnete sich nur noch ein staubiger Umriss auf dem Parkett ab.
Sebastian fand als Erster seine Stimme wieder. „Was soll das heißen? Wo sind unsere Sachen?“
„Deine Sachen“, korrigierte ich leise. „Deine und die deiner Mutter. Verpackt. Der Transporter unten wartet bereits.“
„Du bestiehlst uns?!“, kreischte Sabine Beck und stürmte ins Wohnzimmer, als könnte sie ihren Augen nicht trauen. „Wo ist mein Schrank? Mein Kristall?“
„Alles eingepackt. Es gehört dir, also nimm es mit. Alles, was du gekauft hast. Und alles, was Sebastian für sein Eigentum hielt. Heute.“
Sebastian starrte mich an. Die Wut in seinem Blick bekam Risse. Erst Irritation. Dann eine kühle, unangenehme Erkenntnis.
„Du ziehst aus“, sagte er langsam.
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ihr zieht aus. Beide.“
Ein kurzes, hartes Lachen entwich ihm. „Bist du völlig übergeschnappt? Das ist meine Wohnung. Ich habe sie bezahlt. Du hast hier nichts zu melden.“
„Genau“, erwiderte ich ruhig. „Ich bin hier offiziell niemand. Deshalb bleibe ich. Und ihr geht.“
Sabine kam zurück in den Flur, das Gesicht vor Zorn entstellt. „Sebastian, pack sie! Sie ist verrückt geworden! Ruf die Polizei! Sie beraubt uns!“
Doch er rührte sich nicht. Sein Blick bohrte sich in meinen. Die Ahnung in seinen Augen verdichtete sich.
„Was hast du vor, Sophia?“
In diesem Moment erschienen im aufgebrochenen Türrahmen zwei Männer in der dunklen Uniform des Sicherheitsdienstes unserer Wohnanlage. Hinter ihnen trat ein älterer Herr mit Brille und Aktenmappe ein – Benedikt Vogel.
„Frau Krüger?“, fragte er sachlich. „Ist alles wie besprochen?“
„Ja, Herr Vogel. Danke. Kommen Sie herein.“
Die Sicherheitsleute positionierten sich ruhig neben dem Eingang und versperrten den Weg nach draußen. Sabine Beck machte einen hastigen Schritt nach vorn, als wollte sie an ihnen vorbei—
