„Meinst du das ernst?“ – seine Stimme kippte ins Heisere, er krallte sich an die Tischkante

Diese egoistische Haltung war zugleich schockierend und notwendig.
Geschichten

„Meinst du das ernst?“ Seine Stimme kippte ins Heisere, als hätte ich ihm soeben den Krieg erklärt.

Alexander Ludwig stand mitten in der Küche, die Hand an die Tischkante gekrallt, und starrte mich an, als hätte ich gerade das Sofa aus seiner Kindheit angezündet.

„Völlig ernst“, erwiderte ich ruhig, auch wenn meine Finger zitterten. „Die Wohnung wird ausschließlich auf meinen Namen laufen.“

Die Stille danach war schwer und vibrierte vor Ärger. Draußen peitschte der Januarniesel gegen die Scheiben – nasskalt, grau, kein bisschen winterlich. Doch in unserer kleinen Küche war die Luft heißer als über einer überdrehten Heizung.

Er fuhr sich fahrig durchs Haar.
„Ist dir klar, was du da sagst? Das sollte unser Zuhause werden!“

„Unser?“ Ich lachte trocken auf. „Deine Mutter erklärt mir seit zwei Tagen am Telefon, dass ‘echte Ehefrauen’ teilen. Und ganz nebenbei attestiert sie mir einen ‘egoistischen Charakter’. Ja, ich weiß sehr genau, was ich sage.“

Alexander ballte die Hände.
„Fang nicht schon wieder damit an. Mama macht sich eben Sorgen.“

„Oh, das tut sie“, entgegnete ich und holte mir eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. „Sie sorgt sich so intensiv, dass sie öfter anruft als du. Und in jedem Gespräch kommt ganz beiläufig die Frage: ‘Wird Lena dich auch wirklich als Miteigentümer eintragen lassen?’“

Er drehte sich weg. Treffer.

So sah also unser „Morgenplausch“ aus. Und das war lediglich der Auftakt.

Wenn ich ehrlich bin, begann alles schon im Herbst. Wir wohnten in einer engen Einzimmerwohnung am Stadtrand von Berlin. Ein alter Plattenbau, zugige Fenster, und die Nachbarn über uns fanden ausgerechnet sonntags Gefallen am Bohren. Etwas mehr als dreißig Quadratmeter, dazu ein Kühlschrank, der brummte, als wolle er jeden Moment abheben.

Ich hatte mich arrangiert. Maria Mayer hingegen nie.

„Sascha, wohnst du hier wirklich?“ fragte sie jedes Mal, wenn sie „nur kurz“ vorbeischaute. „Hier bekommt man ja keine Luft!“

Ich schwieg dann. Alexander meist auch. Manchmal zuckte er nur mit den Schultern und murmelte etwas von „vorübergehend“ und „wir sparen doch“.

Wir arbeiteten beide. Er als Bauingenieur in einem mittelständischen Unternehmen, ich als Ökonomin in einer kleineren Firma. Es reichte – aber eben ohne Spielraum. Zwei Jahre lang legten wir jeden Monat tausend Euro zurück. Am Ende hatten wir ehrliche vierhunderttausend Euro angespart. Unser Eigenkapital. Wir dachten, jetzt würde es leichter werden.

Und dann – wie ein Donnerschlag in diesem grauen Januar – meldete sich ein Notar.

Eine Erbschaft. Fast drei Millionen Euro.

Ich hätte das Telefon beinahe fallen lassen.

Eine entfernte Verwandte mütterlicherseits, die ich vielleicht zweimal im Leben gesehen hatte, hatte beschlossen, mir alles zu vermachen. Nur weil ich sie damals einmal im Krankenhaus besucht hatte. Ein einziges Mal. Für eine halbe Stunde.

Verrückt, oder? Dreißig Minuten – und das Leben nimmt eine völlig neue Richtung.

Am Abend erzählte ich Alexander davon. Er riss mich in die Arme, wirbelte mich durch die Küche wie ein Junge, der gerade sein Traumspielzeug bekommen hat.

„Lena, begreifst du das? Wir können uns endlich eine richtige Wohnung leisten! Nicht diese Schuhschachtel hier … vielleicht sogar vier Zimmer!“

Ich freute mich ja selbst. Ich war überzeugt, jetzt würde alles einfacher werden, vielleicht würde sogar seine Mutter endlich aufhören, sich in unsere Angelegenheiten einzumischen.

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