Obwohl ihr der Rücken schmerzte und jede Bewegung sie an die langen Stunden in der Küche erinnerte, blieb Marlene Klein aufrecht stehen. Ihre Hände zitterten leicht, doch ihre Stimme war fest, als sie sprach.
„Hier wird niemandem etwas weggenommen“, sagte sie ruhig, aber bestimmt. „Und schon gar nicht von Kindern.“
Markus Meier verzog spöttisch den Mund. „Das werden wir ja sehen.“
„Nein“, entgegnete sie und machte einen Schritt nach vorn, sodass sie zwischen ihm und den Drillingen stand. „Sie werden jetzt gehen. Wenn Sie ein Anliegen haben, dann bringen Sie es schriftlich vor. Alles andere klären wir offiziell.“
Für einen Moment lag Spannung in der Luft, dicht und schwer wie vor einem Gewitter. Die Jungen wagten kaum zu atmen. Leon Möller hob vorsichtig den Blick, Theo Simon schluckte hörbar, und Ben Hartmann ließ endlich den Tellerrand los.
Markus musterte Marlene, als suche er nach einem Anzeichen von Schwäche. Vielleicht hoffte er, sie würde einknicken, sich entschuldigen, klein beigeben. Doch sie wich seinem Blick nicht aus. Trotz der Schmerzen in ihrem Rücken stand sie so unbeirrbar da wie ein alter Baum, der schon viele Stürme überstanden hatte.
„Das wird Folgen haben“, murmelte er schließlich.
„Mag sein“, erwiderte sie leise. „Aber nicht für die Kinder.“
Ein letzter, verächtlicher Blick, dann drehte er sich um und verschwand zur Tür hinaus. Erst als seine Schritte im Treppenhaus verklangen, löste sich die Starre im Raum.
Marlene atmete tief durch. Die Anspannung fiel von ihr ab, und für einen Augenblick musste sie sich am Tisch abstützen. Leon war der Erste, der zu ihr trat.
„War das schlimm?“, fragte er vorsichtig.
Sie strich ihm über das Haar und lächelte müde. „Nein. Manchmal muss man nur zeigen, dass man keine Angst hat.“
Die Drillinge rückten näher zusammen. Und während draußen die Tür ins Schloss fiel, kehrte im Raum langsam wieder Wärme ein – nicht nur von der Suppe auf dem Tisch, sondern von dem stillen Gefühl, gemeinsam standgehalten zu haben.
