Ohne ein weiteres Wort legte er ein dickes Bündel Geldscheine auf die Tischplatte, zusammengehalten von einem straffen Gummiband. Gleich darauf folgte ein zweites, dann ein drittes. Am Ende lagen acht Päckchen in einer schiefen Reihe vor ihr. Erst dann wandte Michael Braun sich um. Sein Blick traf Mia so hart und durchdringend, dass ihr ein eisiger Schauder über den Rücken lief.
„Zieh dich an“, sagte er leise. Doch in seiner gedämpften Stimme lag eine Dringlichkeit, wie man sie nur anschlägt, wenn jemand unmittelbar vor dem Abgrund steht. „Jeans. Jacke. Turnschuhe. Alles unten im Schrank. Beeil dich.“
„Ich verstehe nicht, was—“
„Keine Zeit.“ Er schnitt ihr das Wort ab, trat zum Fenster und schob den Vorhang einen Spalt beiseite. Sein Blick suchte die Dunkelheit des Gartens ab. „Das Geld nimmst du mit. Deine Papiere sind in der Tasche auf dem Stuhl. Du gehst hinten raus, quer durch den Garten, bis zum hinteren Tor. Dort wartet jemand auf dich.“
Draußen erklang plötzlich das Knirschen von Reifen auf Kies, dann das tiefe Brummen mehrerer Motoren. Nicht nur ein Wagen. Mehrere. Michael ließ den Vorhang fallen. Die Muskeln an seinem Kiefer spannten sich sichtbar an.
„Wer ist das? Wo ist Alexander?“
„Lauf, Mädchen. Lauf.“ Seine Worte kamen rau und eindringlich. „Sie sind schon hier. Wenn du jetzt nicht tust, was ich dir sage, wirst du diese Nacht in diesem Haus nicht überleben. Vertraust du mir?“
Sie sah ihm in die Augen – hellgrau wie die ihres Mannes, von roten Äderchen durchzogen – und erkannte darin eine Angst, die größer war als ihre eigene.
„Nicht um meinetwillen“, flüsterte sie, „sondern um ihretwillen. Ja, ich vertraue Ihnen.“
Sie ließ den Morgenmantel fallen und riss die Schranktür auf. Die Jeans passte überraschend gut. Die Jacke war etwas zu weit, als stamme sie von jemand anderem, und sie roch fremd.
