„Ich werde diesen nutzlosen Mitesser nicht länger durchfüttern.“ — Julia knallt den Teller in die Spüle und verlangt, dass Andreas‘ Schwester sofort auszieht

Diese arrogante Selbstzufriedenheit ist verletzend und beschämend.
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„Ich habe zugestimmt, dass deine Schwester während ihres Studiums bei uns wohnen darf. Aber das Studium ist seit einem halben Jahr abgeschlossen. Es wird höchste Zeit, dass sie sich endlich etwas Eigenes sucht. Ich werde diesen nutzlosen Mitesser nicht länger durchfüttern.“

Julia Königs Stimme klang ruhig, fast kühl. Doch als sie ihren Teller mit einem scharfen Klirren in die Spüle stellte – direkt neben Lena Walters fettverschmiertes, mit Soßenresten verkrustetes Geschirr –, sprach diese Geste lauter als jedes Geschrei. Andreas Heinrich zuckte unwillkürlich zusammen, als Porzellan auf Metall traf. Langsam hob er den Blick von seinem Abendessen. Seit Tagen hatte er so getan, als bemerke er die angespannte Stimmung zwischen den beiden Frauen nicht. Doch dieses Geräusch durchschnitt seine bequeme Gleichgültigkeit wie ein Messer.

„Was ist denn jetzt schon wieder?“ fragte er, ohne echte Anteilnahme, während er sich nur widerwillig von seinem saftigen Stück Fleisch löste. In seinem Ton lag Müdigkeit, genervte Abwehr – als störe man ihn mit einer belanglosen Kleinigkeit.

„Wie bitte – was ist?“ Julia drehte sich zu ihm um, lehnte sich mit der Hüfte gegen die Arbeitsplatte und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Blick war hart, beinahe stechend. „Findest du das alles hier normal, Andreas? Deine studierte Schwester isst, lässt ihren Dreck stehen, als wären wir ihr persönliches Restaurant, und verschwindet danach in irgendeinen Club.“

Sie fuhr fort, ohne ihm Zeit zum Antworten zu lassen. „Gerade eben habe ich aus dem Bad einen Berg nasser Handtücher geholt. Auf dem Boden klebte eine Lache Make-up, die ich wegschrubben durfte. Und jetzt soll ich auch noch ihr Geschirr spülen, damit Ihre Hoheit morgen ihren Kaffee nicht neben einer vollen Spüle trinken muss. Sag mir – findest du das in Ordnung?“

Andreas schluckte den Bissen hinunter, legte die Gabel beiseite und stieß einen tiefen Seufzer aus, der mehr Selbstmitleid als Mitgefühl verriet. Diese Gespräche waren ihm zutiefst unangenehm. Nach einem langen Arbeitstag wollte er Ruhe, keinen Streit. Er hatte keinerlei Wunsch, sich als Schiedsrichter zwischen Ehefrau und Schwester aufzuspielen.

„Fang bitte nicht wieder damit an, Julia. Sie bemüht sich doch. Sie sucht eine Stelle. Sie versucht, sich zu orientieren. Es ist nicht leicht für sie – der Start ins Berufsleben braucht eben Zeit.“

Die Worte klangen abgenutzt, wie eine Platte mit Sprung. Julia reagierte nicht einmal mehr verletzt darauf. Ein kurzes, freudloses Lachen entwich ihr – das Lachen einer Frau, die dieselben Ausreden schon unzählige Male gehört hatte.

„Weißt du, was schwer ist?“ erwiderte sie ruhig. „Schwer ist es für mich, jeden Tag nach Hause zu kommen und eine Wohnung vorzufinden, die aussieht wie eine Mischung aus Billighostel und Kosmetikstudio. Ich koche, putze und wasche für drei Erwachsene, während deine Schwester in Einkaufszentren und Bars angeblich ‚zu sich selbst findet‘. Sie sucht keinen Job. Sie tut nicht einmal so, als würde sie es versuchen. Sie lebt auf unsere Kosten – und nutzt deine Gutmütigkeit schamlos aus.“

„Jetzt übertreibst du aber!“ Andreas’ Stimme wurde lauter, seine Lippen pressten sich beleidigt zusammen. „Sie ist meine Schwester. Ich kann sie doch nicht einfach vor die Tür setzen!“

„Ich schon“, entgegnete Julia ohne jede Lautstärke, und gerade diese Ruhe wirkte bedrohlich. Kein Geschrei, kein Drama – nur eine nüchterne Entscheidung. „Sie hat genau eine Woche. Sieben Tage, um sich eine neue Bleibe zu organisieren. Eine Wohnung, ein WG-Zimmer, eine Freundin – mir egal. Wenn sie in einer Woche noch hier wohnt, gehe ich. Ich habe mir bereits etwas angesehen. Danach kannst du dir überlegen, wen du weiterhin finanzieren willst: deine Schwester oder deine Ehefrau.“

Am Morgen nach diesem Ultimatum gab es keinen Streit. Stattdessen herrschte Schweigen – dicht und drückend wie feuchter Nebel, der jeden Raum füllte und das Atmen erschwerte. Julia stand wie gewöhnlich um sieben Uhr auf. Sie bereitete zwei Tassen Kaffee zu, toastete zwei Scheiben Brot und stellte einen Teller mit Omelett auf den Tisch – für eine Person zusätzlich zu ihrer eigenen Portion.

Als Andreas zerknittert und missmutig die Küche betrat, stand sein Frühstück bereits bereit. Wortlos setzte er sich, vermied es jedoch, seiner Frau in die Augen zu sehen. Insgeheim hatte er gehofft, sie würde über Nacht zur Besinnung kommen, alles als hitzigen Ausbruch abtun. Doch der makellos gedeckte Tisch – exakt für zwei Personen vorbereitet – ließ keinen Raum für Illusionen und machte deutlich, dass Julia ihre Entscheidung nicht im Affekt getroffen hatte.

Lena Walter jedoch…

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