«Das ist mein Zuhause. Und das ist das Zimmer meines Kindes.» — sagte Johanna ruhig und legte den Kaufvertrag auf die Kommode

Kalt, dominierend — eine mutige Grenze wird gezogen.
Geschichten

„Ja, aber …“ Konrad wich ihrem Blick aus, als müsse er sich vor ihm schützen. „Sie meint es doch nur gut.“

Johannas Stimme war leise, doch sie schnitt durch den Raum. „Und was ist mit mir?“

Die Frage blieb unbeantwortet zwischen ihnen stehen. Konrad öffnete den Kühlschrank und begann darin herumzuräumen, als hinge sein Leben von einer bestimmten Joghurtpackung ab.

Am nächsten Vormittag erschien Dorothea Krüger nicht allein. Neben ihr stand ein schmaler, blasser junger Mann mit einem Farbeimer in der Hand, der den Eindruck machte, seine Entscheidung bereits zu bereuen.

„Das ist Valentin Brandt. Er arbeitet zügig“, verkündete Dorothea in einem Ton, als erteile sie Befehle im eigenen Haus. „Fangt mit der Decke an!“

Johanna trat in den Flur. „Frau Krüger, vielleicht warten wir, bis Konrad zurück ist? Er hat das noch gar nicht gesehen.“

„Wozu sollte man ihn damit behelligen? Männer haben für so etwas ohnehin kein Gespür.“ Während sie sprach, begann sie bereits, Spielsachen aus dem Kinderzimmer zu tragen. „Das ist Frauensache.“

Merkwürdig nur, dass es bei der Frage nach den Renovierungskosten plötzlich doch wieder eine Angelegenheit für Männer wurde.

Johanna zog sich in die Küche zurück. Von dort hörte sie das Scharren der Leiter, das Rollen der Farbwalze, fremde Schritte auf ihrem Parkett. Mit einer Hand strich sie über ihren Bauch. Das Baby regte sich unruhig, als spüre es die Anspannung.

„Mehr Farbe! Man sieht das Gelb noch durch!“, rief Dorothea aus dem Kinderzimmer.

Als es Abend wurde, war von dem warmen Sonnenton nichts mehr übrig. Die Wände leuchteten nun in einem kühlen, sachlichen Blau – glatt, ordentlich, fremd.

„Na bitte“, sagte Dorothea zufrieden und stemmte die Hände in die Hüften. „So erkennt man wenigstens, dass hier ein Junge groß wird.“

Johanna blieb im Türrahmen stehen. Der Raum, den sie mit so viel Vorfreude eingerichtet hatte, kam ihr vor wie ein Hotelzimmer, das jemand anders gebucht hatte.

Eine Woche später tauchte die Schwiegermutter erneut auf, diesmal mit schweren, dunkelblau gestreiften Vorhängen über dem Arm.

„Diese Häschen passen doch nicht. Ein Junge braucht eine ernsthafte Umgebung.“

Schon hatte sie die alten Gardinen abgenommen – jene mit den kleinen Figuren, die Johanna und Konrad an jenem glücklichen Tag gekauft hatten, als sie vom Kind erfahren hatten.

„Aber die sind neu“, wandte Johanna ein.

„Neu heißt nicht automatisch richtig.“

In ihr riss etwas. Kein lauter Knall – eher ein feines, endgültiges Reißen.

„Stopp.“

Dorothea hielt inne. „Wie bitte?“

„Legen Sie die Vorhänge zurück. Sofort.“

Langsam drehte sich die ältere Frau um, den Stoff noch in der Hand. „Bist du übergeschnappt?“

Johannas Stimme zitterte nicht. „Das ist mein Zuhause. Und das ist das Zimmer meines Kindes.“

Dorothea musterte sie, als hätte sie plötzlich eine fremde Sprache gehört. „Dein Zuhause? Das ist das Haus meines Sohnes!“

„Ihr Sohn ist hier gemeldet. Die Eigentümerin bin jedoch ich.“

„Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden?“ Dorotheas Gesicht verlor jede Farbe, die Vorhänge glitten ihr aus den Fingern. „Ich zerreiße mich für euch, ich denke an mein Enkelkind!“

„Sie denken vor allem daran, alles nach Ihren Vorstellungen zu formen“, entgegnete Johanna ruhig.

Dann machte sie einen Schritt nach vorn.

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