«Ich werde die Wohnung nicht überschreiben» — sagte Marlene ruhig, woraufhin David wütend aufsprang und die Tür zuknallte

Mutige Entscheidung gegen hinterhältige, selbstsüchtige Ansprüche.
Geschichten

Zum dritten Mal innerhalb von fünf Minuten vibrierte das Handy auf dem Tisch. Marlene Gross musste nicht einmal auf das Display sehen, um zu wissen, wer es war. Claudia Bergmann gehörte nicht zu den Menschen, die nach dem ersten Klingeln aufgaben.

Schließlich nahm Marlene ab.

— Marlenchen, Liebes, wo steckst du nur? — säuselte ihre Schwiegermutter mit einer Süße in der Stimme, die beinahe klebrig wirkte. — David und ich warten seit einer halben Stunde beim Notar! Du weißt doch, dass wir heute die Unterlagen für die Wohnung unterschreiben wollen?

Marlene atmete langsam aus. Natürlich wusste sie das. Wie könnte man den Tag vergessen, an dem man einem das eigene Zuhause entwinden will?

— Frau Bergmann, ich habe Ihnen gestern bereits gesagt, dass ich nicht kommen werde.

Einen Augenblick lang herrschte Stille. Kurz, aber bedeutungsvoll. Dann verlor die Stimme am anderen Ende ihren zuckrigen Klang und bekam eine schneidende Schärfe.

— Jetzt stell dich nicht so an, Marlene. Das ist doch zu deinem Besten! Die Wohnung wird auf David überschrieben, auf meinen Sohn, und ihr lebt schließlich zusammen. Wo liegt also das Problem?

— Das Problem ist, dass es MEINE Wohnung ist, — erwiderte Marlene ruhig, jedoch mit fester Stimme. — Meine Eltern haben sie mir hinterlassen. Und ich werde sie nicht übertragen.

Ohne eine Antwort abzuwarten, beendete sie das Gespräch.

Der Anfang dieses Dramas lag drei Monate zurück.

Nach einem seiner Besuche bei seiner Mutter kam David ungewöhnlich still nach Hause. Er setzte sich aufs Sofa, als laste ein unsichtbares Gewicht auf seinen Schultern. Offensichtlich wollte er etwas ansprechen, doch die Worte wollten nicht kommen. Er schaltete den Fernseher ein, wieder aus, scrollte nervös durch sein Handy.

— Wolltest du mit mir reden? — fragte Marlene, als sie mit einer Tasse Tee ins Wohnzimmer trat.

— Nichts Besonderes. Meine Mutter hat angerufen, — murmelte er und wich ihrem Blick aus. — Sie macht sich Sorgen um uns.

— Wie aufmerksam von ihr.

— Ja… Sie meint nur, wir sollten uns absichern. Für alle Fälle.

In Marlene spannte sich etwas an. Wenn Claudia Bergmann „nur helfen“ wollte, bedeutete das selten etwas Gutes.

— Absichern wogegen?

David sah sie nun direkt an. In seinen Augen mischten sich Unbehagen und Trotz.

— Man weiß doch nie, was passiert. Trennungen zum Beispiel. Meine Mutter sagt, es wäre klug, alles juristisch sauber zu regeln. Damit es später keine Schwierigkeiten gibt.

— Was genau soll geregelt werden?

— Die Wohnung. Wenn sie auf mich läuft… Wir sind verheiratet, was macht das schon für einen Unterschied? Dann ist es rechtlich eindeutig.

Marlene stellte die Teetasse vorsichtig ab. Ihre Hände blieben erstaunlich ruhig.

— Deine Mutter schlägt also vor, dass ich dir die Wohnung überschreibe, die ich von meinen Eltern geerbt habe. Einfach so. Zur „Sicherheit“.

— So darfst du das nicht sehen, — verteidigte sich David hastig. — Wir sind doch eine Familie! Es ist unsere gemeinsame Wohnung. Formal wäre sie dann eben auf meinen Namen eingetragen. Das schafft Ordnung.

— Welche Art von Ordnung meinst du, David?

— Eine normale, vernünftige Ordnung! — fuhr er sie an, wohl spürend, dass ihm das Gespräch entglitt. — Meine Mutter hat recht!

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