«Ich wähle meine Frau» — sagt Viktor leise und schließt damit endgültig die Tür zur Familie

Schamlose Selbstsucht endet — endlich erhebt sich Widerstand.
Geschichten

— Halt endlich den Mund, du Parasit! — fuhr sie Denise Rother an, ihre Stimme rau vor Zorn, während sie mit schnellen Schritten auf den Sessel zuging. — Den ganzen Tag hockst du herum und bringst nichts zustande! Kein Finger krümmt sich bei dir! Alles ist deine Schuld! Wärst du auch nur im Ansatz nützlich, würdest wenigstens einmal deinen Teller selbst in die Küche tragen, müsste ich diese — diese Emporkömmlingin — nicht um irgendetwas bitten! Du hast mein Zuhause in einen Saustall verwandelt, und ich darf hinter dir herräumen?!

— Ich habe dich nicht darum gebeten, sie anzurufen und vorzuführen! — schoss Denise zurück, sprang auf und stellte sich ihrer Mutter entgegen. — Das sind deine Spielchen, nicht meine! Du liebst es doch, uns gegeneinander auszuspielen und zuzusehen, wie Viktor zwischen uns zerrieben wird! Nur damit hast du nicht gerechnet: dass auch ihm irgendwann der Geduldsfaden reißt! Jetzt wirft er meine Sachen auf den Müll — nicht deine!

Sie standen sich gegenüber wie zwei Gegnerinnen in einer Arena. Jahrelang hatten sie Seite an Seite gekämpft, als verschworene Einheit gegen die Außenwelt — und vor allem gegen Katharina Vogt. Doch nun, da die gemeinsame Gegnerin zugeschlagen und sich zurückgezogen hatte, zeigte sich, wie brüchig ihr Bündnis in Wahrheit war. Unter der Oberfläche gärte seit Langem Verachtung, und jetzt brach sie ungebremst hervor.

Ein schrilles, forderndes Klingeln durchschnitt die aufgeheizte Luft. Es klang nicht nach einem höflichen Druck auf den Knopf, sondern nach einer flachen Hand, die ihn energisch festhielt. Beide Frauen erstarrten. Ihre Blicke trafen sich, und in ihnen spiegelte sich derselbe jähe Schrecken. Ingrid Falkenberg straffte die Schultern, setzte eine leidende Miene auf und ging zur Tür.

Auf der Schwelle stand Viktor Brandt.

Er wirkte nicht wütend im üblichen Sinn. Kein erhobenes Wort, kein verzerrtes Gesicht. Seine Ruhe war beinahe gespenstisch — eine Kälte, die bedrohlicher war als jedes Toben. Sein dunkler Blick glitt langsam durch den Flur, registrierte die Staubschicht auf der Kommode, wanderte weiter ins Wohnzimmer zu seiner reglos stehenden Schwester und blieb schließlich an seiner Mutter hängen. Kein Gruß. Kein Laut.

Ohne ein Wort schob er sich an ihnen vorbei und ging zielstrebig in die Wohnung hinein.

— Viktor, mein Junge, du hast das völlig missverstanden! Diese Katharina… — setzte Ingrid hinter ihm an, doch er schenkte ihr nicht einmal einen Blick.

Er betrat Denises Zimmer — das kleine Königreich der Prinzessin, die sich von seinem Geld versorgen ließ. Keine Sekunde verschwendete er mit Umschauen. Er öffnete den Kleiderschrank mit einem Ruck, zog mehrere große schwarze Müllsäcke hervor, die Denise zwar gekauft, aber nie benutzt hatte, und begann mit sachlicher Präzision, die Kleidung von den Bügeln zu reißen. Kleider, teure Jeans, Blusen — alles landete unsortiert in den Säcken.

— Viktor, was tust du da?! — kreischte Denise und stürzte zu ihm. Sie packte seinen Arm, versuchte ihn aufzuhalten. — Das sind meine Sachen! Bist du verrückt geworden?!

Er sah sie an, als wäre sie nichts weiter als ein lästiges Insekt. Mit einer knappen Bewegung schüttelte er ihre Hand ab und arbeitete weiter. Der zweite Sack füllte sich mit Schuhkartons — neue Schuhe, kein einziges Paar getragen. Im dritten verschwanden Handtaschen und Kosmetikartikel.

— Schatz, hör auf damit! Was ist nur in dich gefahren? Sie ist doch deine Schwester! Das arme Kind hat ein schwaches Herz! — jammerte Ingrid theatralisch, ohne jedoch die Schwelle zu überschreiten.

Als der dritte Sack voll war, zog Viktor die Bänder fest zusammen und ließ ihn mit dumpfem Schlag auf den Boden fallen. Dann richtete er sich auf und musterte beide.

— Habt ihr ernsthaft geglaubt, das läuft ewig so weiter? — fragte er leise. Seine Stimme war ruhig, aber sie füllte den Raum. — Dass ich dieses Theater dauerhaft finanziere? Denises Faulheit. Deine Intrigen, Mutter.

Er trat näher an seine Schwester heran. Sie wich automatisch zurück.

— Also gut, Denise. Bis morgen suchst du dir einen Job. Irgendeinen. Notfalls putzen. Und du fängst an, hier wirklich mitzuhelfen, statt nur davon zu reden. Andernfalls bringe ich diese Säcke direkt in deine neue Wohnung. Die du selbst bezahlst. Von mir kommt kein Geld mehr. Nicht ein Cent.

Dann wandte er sich Ingrid zu.

— Und du gewöhnst dich besser daran: Der kleine Laufbursche mit dem offenen Portemonnaie steht nicht mehr zur Verfügung.

Er wartete keine Antwort ab. Er drehte sich um, durchquerte die Wohnung und schloss die Tür hinter sich mit einem leisen, endgültigen Klicken.

Zurück blieben zwei Frauen, drei schwarze Müllsäcke und ein auseinandergerissener Kleiderschrank — wie Grabmale für ein bequemes Leben, das soeben beerdigt worden war.

Drei Tage vergingen.

Drei Tage einer ungewohnten, beinahe ohrenbetäubenden Stille. Viktors Telefon blieb stumm. Kein tränenreicher Anruf seiner Mutter, keine süffisante Nachricht seiner Schwester mit der üblichen Bitte, „ein bisschen zu überweisen“. In der Wohnung von Katharina und Viktor herrschte eine zerbrechliche, fast greifbare Ruhe.

Sie aßen gemeinsam zu Abend, erzählten sich von ihrem Alltag, sahen sich Filme an. Sie führten ihr eigenes Leben — und diese schlichte Normalität wirkte, als könnte sie ihnen jeden Moment wieder entrissen werden.

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