Eine Weile schwieg Tobias Kern, dann sagte er mit fester, beinahe nüchterner Stimme:
„Heirate mich. Wenn du meine Frau bist, lassen sie dich in Ruhe. Dann kümmerst du dich um unsere eigenen Kinder – nicht um fremde.“
Alina Bergmann drehte sich von ihm weg. Ihre Antwort kam brüchig, kaum hörbar. „Ich werde keine Kinder bekommen.“ Sie schluckte. „Damals… ich war schwanger. Meine Mutter hat mich zu einem Arzt gebracht. Und später, als Ralf Heinemann sich plötzlich Nachwuchs wünschte, war ich in der Beratung. Da hieß es nur: selbst schuld. Ich hätte es ja damals nicht beenden müssen …“
Tobias’ Gesicht verlor jede Farbe. Er hatte oft davon gesprochen, wie sehr er sich eine Familie wünschte. Welcher Mann träumt nicht von eigenen Kindern?
„Also geh“, murmelte sie bitter. „Ich tauge nicht zur Ehefrau.“
Ohne ein weiteres Wort stand er auf und verließ das Haus. Alina blieb zurück – und weinte, bis keine Tränen mehr übrig waren.
Mitten in der Nacht riss ein aufgeregtes Schreien sie aus dem Schlaf. Benommen registrierte sie beißenden Rauchgeruch. Feuer! In ihrem dünnen Nachthemd stürzte sie nach draußen.
Vor dem Haus ihrer Eltern stand ein Auto lichterloh in Flammen. Der Himmel war noch schwarz, und die Feuersäulen leckten gierig in die Dunkelheit hinauf. Nachbarn rannten durcheinander, schrien Anweisungen, schleppten Eimer herbei. Schnell war klar: Der Wagen war verloren – man konnte nur verhindern, dass die Flammen auf das Gebäude übergriffen.
Zwischen den Helfenden erkannte sie Tobias. Nur einen kurzen Blick warf er ihr zu. Doch dieser eine Blick genügte. Sie verstand. Wie sehr hatte sie dieses Auto gehasst – Symbol all der Demütigungen. Nun fraß das Feuer es restlos auf. Tränen liefen ihr über das Gesicht, doch es waren Tränen der Erleichterung.
Als der Brand schließlich gelöscht war, setzte sie sich erschöpft auf die Stufen. Tobias kam zu ihr und ließ sich neben sie fallen.
„Dann adoptieren wir“, sagte er ruhig und legte den Arm um ihre Taille.
Im Osten färbte sich der Himmel zartrosa. Alina lehnte den Kopf an seine Schulter. „Lass uns zu dir ziehen“, flüsterte sie. „Sollen sie dieses Haus nehmen. Hauptsache, sie lassen mich endlich in Frieden.“
Er lächelte schwach. „Natürlich ziehen wir um. Glaubst du, mein Vater und ich bauen das Haus für irgendwen sonst?“
In seiner Umarmung begriff sie plötzlich: Sie war nicht beschädigt, nicht minderwertig. Sie war einfach nur eine Frau – wie jede andere auch.
