„…soll sie doch dorthin zurückgehen, wo sie hergekommen ist.“ — deklariert Irmgard Falkenberg eiskalt und drängt Tobias, Helena loszuwerden

Diese kaltherzige Heuchelei macht mich sprachlos.
Geschichten

„…soll sie doch dorthin zurückgehen, wo sie hergekommen ist. Ihre Leute können sich gern mit ihr herumschlagen. Und wir fangen endlich richtig an zu leben. Weißt du, mir würde ein Stein vom Herzen fallen, wenn ihr erst einmal getrennte Wege geht.“

Den Rest bekam Helena Bergmann kaum noch mit. Das Blut rauschte ihr in den Ohren, ihr Herz schlug so heftig, dass es schmerzte. Also war es das. Er ertrug sie nur noch? Wartete ab, bis sie freiwillig verschwand? Ihre Knie wurden weich, für einen Moment glaubte sie, den Halt zu verlieren. Doch sie zwang sich, die Schultern zu straffen.

Jetzt ergab alles einen bitteren Sinn. Deshalb hatte Tobias Hartwig das Thema Kinder stets abgeblockt… Natürlich. Warum sollte er mit ihr eine Familie gründen, wenn sie für ihn nichts weiter als eine bequeme Geldquelle war?

Helena hatte nie einen Mangel gekannt. Ihre Position war angesehen, das Gehalt mehr als ordentlich. Aber sie war immer überzeugt gewesen, dass Liebe nichts mit Kontoständen zu tun haben dürfe. Sie wollte nie die Frau sein, die jeden Euro umdreht oder ihrem Mann eine Aufmerksamkeit verwehrt. Und nun schossen ihr all die Dinge durch den Kopf, die sie für Tobias möglich gemacht hatte.

Als er sich beruflich neu orientieren wollte, hatte sie ohne Zögern die teuren Fortbildungen bezahlt. Es war eine beträchtliche Summe gewesen, doch sie hatte es gern getan – schließlich ging es um seine Zukunft. Auch die Urlaube hatte sie organisiert und finanziert. Tobias hatte zwar jedes Mal gemurmelt, das sei doch alles viel zu kostspielig, aber sie hatte seine Bedenken als falsche Bescheidenheit gedeutet.

Jetzt erkannte sie die feinen Untertöne. Wie oft hatte er angemerkt, dass bestimmte Restaurants „nicht in seinem Budget“ lägen. Wie häufig hatte er betont, dass sein Einkommen eben nicht mit ihrem mithalten könne. Und sie? Sie hatte jedes Mal großzügig gelächelt und ihn eingeladen.

Vor einem halben Jahr begannen sie mit der Renovierung der Wohnung. Auch dort floss überwiegend ihr Geld hinein. Tobias hatte vorgeschlagen, alles schlichter zu halten, günstiger. Doch Helena träumte von einem Zuhause, das Wärme und Geborgenheit ausstrahlte.

Und dann das Auto. Ein Schauder lief ihr über den Rücken. Wochenlang hatte er gezögert, immer wieder die hohen Kosten ins Feld geführt. Schließlich hatte sie angeboten, notfalls einen Kredit aufzunehmen. Zum Glück war es nie so weit gekommen. Dazu kamen unzählige Kleinigkeiten: das neueste Smartphone zu seinem Geburtstag, die edle Armbanduhr zum Hochzeitstag, die Restaurantbesuche, die stets sie bezahlte.

Ein Kloß schnürte ihr die Kehle zu. Alles war aus Liebe geschehen, aus ehrlicher Zuneigung. Und für Tobias war es offenbar nur ein komfortables Arrangement gewesen.

Ohne ein Wort drehte sie sich um und ging ins Schlafzimmer. Tränen brannten in ihren Augen, doch sie blinzelte sie trotzig zurück. In ihr brodelte es. Mit zitternden Fingern zog sie den Koffer unter dem Bett hervor, klappte ihn auf und begann, Kleidung hineinzulegen. Sorgfältig war sie nicht – Blusen und Kleider landeten achtlos übereinander. Ob etwas verknitterte, war ihr gleichgültig. Sie wollte nur fort. So schnell wie möglich raus aus diesem Haus.

Das Ehering, den Tobias ihr am Hochzeitstag angesteckt hatte, streifte sie langsam vom Finger

Fortsetzung des Artikels

LebensKlüber