„Jetzt geh. Und behalt dein Spielzeug. Ich brauche es nicht mehr.“ — sagte sie ruhig und trat ihm so nah, dass er ihrem Blick nicht ausweichen konnte

Erbärmlich, wie seine Überheblichkeit ihn vernichtete.
Geschichten

…„nichts passieren kann“, stimmt’s?

Vor seinem inneren Auge tauchten all die Spitzen auf, die er ihr jahrelang entgegengeschleudert hatte: die abfälligen Bemerkungen, die grausamen Andeutungen über „Leere“ und „Makel“. Er sah auch wieder das Päckchen im Kofferraum, die Puppe, hastig in eine Tüte gestopft, als wäre sie Beweisstück und Waffe zugleich.

„Weißt du“, fuhr Karoline Neumann ruhig fort, „im Nachhinein bin ich dir sogar dankbar. Ohne deine Kälte hätte ich mich nie getraut, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen.“

Sie trat näher, so nah, dass er ihrem Blick nicht ausweichen konnte.

„Jetzt geh. Und behalt dein Spielzeug. Ich brauche es nicht mehr.“

Er setzte zu einer Antwort an, doch kein einziger Laut fand den Weg nach draußen. In diesem Augenblick ahnte er noch nicht, dass dies erst der Auftakt war.

Er verließ die Wohnung, kam jedoch kaum voran. Seine Beine fühlten sich schwer an wie Blei. Das Treppenhaus empfing ihn mit klammer Kälte und staubiger Luft, während in seinem Kopf nur ein Wort widerhallte: unmöglich. Zwischen zwei Etagen ließ er sich auf die Fensterbank sinken und umklammerte die Mappe, als könne er das Papier zerdrücken – und mit ihm die Wirklichkeit.

„Irrtum. Betrug. Rache“, hämmerte es in ihm. Eine Stunde später saß er bereits im Auto und wählte die Nummer der Klinik. Die Stimme der Mitarbeiterin war höflich, nüchtern, unerbittlich: Ja, die Befunde seien echt. Ja, die Untersuchungen mehrfach bestätigt. Nein, ein Fehler sei ausgeschlossen.

Das Handy glitt ihm aus der Hand und landete auf dem Beifahrersitz. Unwillkürlich dachte er an Valentina Bergmann. Jung, laut, immer lachend. „Ich glaube, ich bin schwanger“, hatte sie vor seiner Abreise gesagt. Damals hatte er gelacht und von einer „netten Überraschung“ gesprochen. Jetzt blieb ihm das Lachen im Hals stecken.

Erst spät am Abend kehrte er zurück. Die Wohnung lag im Dunkeln, Karolines Sachen waren verschwunden. Der Schrank gähnte leer, als hätte es sie nie gegeben. Auf dem Tisch lag ein Zettel: „Ich habe die Scheidung eingereicht. Such mich nicht. Ich will nicht länger mit einem Menschen leben, der mir absichtlich wehgetan hat.“

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